Neuraltherapie bei Trigeminusneuralgie

Von Dr. med. Bernd und Dr. med. Gerd Belles | 14.Oktober 2015


Definition

Die Trigeminusneuralgie geht mit einem paroxysmalen, blitzartig einschießenden und extrem heftigen Schmerz einher, der über Sekunden und selten länger (< 2 Minuten) anhält. Der elektrisierende und stechende Schmerz tritt im Versorgungsgebiet eines Astes oder mehrerer Äste des N. trigeminus auf. Die Schmerzattacken treten spontan oder Reiz-getriggert auf. Als mögliche Trigger kommen Kauen, Sprechen, Schlucken, Zähneputzen, Kälte, Nässe, Zugluft oder Berührungen im Versorgungsgebiet des N. trigeminus in Betracht.

Zähneputzen kann die Trigeminusneuralgie triggern.
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Epidemiologie

Die Prävalenz beträgt 4,5 pro 100.000 Menschen.

 

Neurovegetative Ätiologie

Der Trigeminusneuralgie liegt eine Demyelinisierung und Degeneration des N. trigeminus zugrunde, deren primäre Ursache aus neuraltherapeutischer Sicht eine Störung der Mikrozirkulation ist.

Die normale Nervenfunktion des N. trigeminus ist an eine physiologische Blutzufuhr gebunden. Eine Störung der Perfusion des perinervalen Gefäßsystems induziert eine neuronale Funktionsstörung. Die perinervalen Gefäße werden dabei vom perivaskulären Sympathikus gesteuert. Eine pathologische Reizung des Sympathikus bewirkt eine Änderung des Blutstroms und damit der Mikrozirkulation. Diese Zusammenhänge (Relationen) werden ausführlich in der Relationspathologie Rickers beschrieben. Die mikroskopische Beobachtung des Gefäßsystems im Bereich der kapillaren Endstrecke in Abhängigkeit von Stärke und Länge der Sympathikusreizung veranlasste Ricker zur Formulierung seiner Stufengesetze, in denen er die Systematik der Reaktionen des zu versorgenden Gewebes beschreibt. Bedeutend sind in diesem Zusammenhang vor allem die 2. und 3. Stufe:

  1. In der 2. Stufe kommt es durch einen anhaltenden starken Reiz des Sympathikus zu einer Vasokonstriktion proximal der Reizungsstelle und zu einer Verlangsamung des Blutstroms in der kapillaren Endstrecke (Prästase).
  2. In der 3. Stufe kommt es schließlich zum kompletten Stillstand des arteriovenösen Blutstroms (Stase).

 

Durch die Minderperfusion (reduzierte Durchblutung) und Ischämie des zu ernährenden Gewebes, in diesem Fall des N. trigeminus und des Ganglion trigeminale (Ganglion Gasseri), kommt es zu einer Degeneration und Demyelinisierung des Nervs. Die wesentliche Ursache der Trigeminusneuralgie ist somit die Sympathikus induzierte neuronale Hypoxie.

 

Neuraltherapeutische Therapie

Die Ursache der Nervenreizung kann mithilfe der neuraltherapeutischen Behandlung behoben werden. Eine Unterbrechung der pathologischen Reizung des Sympathikus durch die neuraltherapeutische Intervention führt dabei zu einer Normalisierung der Perfusion und zur Regeneration des Gewebes.

Blitzartig einschießende und extrem heftige Schmerzen sind typisch.
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Die neuraltherapeutische Vorgehensweise beruht auf den folgenden Prinzipien:

  1. Beseitigung der Zirkulationsstörung
  2. Engrammierung“ des Sympathikus löschen
  3. Reset“: Lokalanästhetika bewirken eine kurzzeitige Unterbrechung der Reizleitung und ermöglichen somit eine Neuorganisation des Systems
  4. Input“ auf WDR-Neurone reduzieren
  5. Neuroplastizität“ rückführen
  6. neurogene“ Entzündung reduzieren

 

Prinzipiell besteht auch bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie die übliche neuraltherapeutische Behandlungsabfolge:

 

Ganglieninjektionen und eine Störfeldtherapie sollten relativ rasch in die Therapie integriert werden.

 

Lokale Therapie

Dabei werden wiederholte Injektionen an die Nervenaustrittspunkte (NAP) der Endausläufer der betroffenen Hauptäste des N. trigeminus durchgeführt.

 

Segmentale Therapie

Ganglientherapie
Injektionen an die Ganglien sind eine wichtige übergeordnete Therapieoption, um die Sympathikus induzierte neuronale Hypoxie im betroffenen Segment beseitigen zu können.

Gefäßtherapie
Die arterielle Gefäßversorgung des Ganglion trigeminale (Ganglion Gasseri) erfolgt aus der A. carotis interna und der A. carotis externa, die in die A. maxillaris übergeht. Neuraltherapeutisch kommt es zu einer Umflutung des perivasalen Nervengeflechts der A. maxillaris in der Fossa pterygopalatina analog zur Injektionstechnik an das Ganglion pterygopalatinum.

Therapie der Facettengelenke
Die Ursprungskerne für die sympathische Versorgung des N. trigeminus liegen im Nucleus intermediolateralis von C8 bis Th5. Durch Injektion an die betroffenen Facettengelenke werden die Funktion des Segments und damit auch die Aktivität des Sympathikus normalisiert.

Triggerpunkttherapie
Triggerpunkte stellen eine wichtige Ursache für periphere Schmerzen dar. Um den nozizeptiven Input aus der Muskulatur zu reduzieren, sollte eine umfassende Triggerpunkttherapie – insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule und des Kopfes – erfolgen.

 

Störfeldtherapie

Die im Folgenden genannten Störfelder sollten bei der Behandlung Berücksichtigung finden:

Störfeld Zahn-Kiefer-Bereich
Die Therapie von Zahnstörfeldern ist oft der entscheidende Schritt zum Therapieerfolg bei der Trigeminusneuralgie. Die Zähne werden vom 2. und 3. Trigeminusast und vom Sympathikus versorgt. Hier gibt es eine Vielzahl von Reizungsmöglichkeiten, die lokal nicht selten symptomlos für den Patienten verlaufen.

Störfeld Nasennebennhöhlen (NNH)
Häufige Störfelder sind zudem chronische Sinusitiden. Auch hier besteht nicht selten ein für den Patienten im Bereich der Nasennebenhöhlen relativ symptomarmer Verlauf. Es muss eine intensive neuraltherapeutische Therapie über Injektionen an die oben genannten Nervenaustrittspunkte des N. trigeminus sowie an das Ganglion pterygopalatinum und an die A. maxillaris erfolgen.

In der Störfeldgenese verdienen die folgenden neuroanatomischen Verbindungen der Trigeminuskerne besondere Beachtung:

 

Störfeld Tonsillen
Die Tonsilla palatina und Tonsilla pharyngea liegen im Versorgungsbereich des Plexus pharyngeus. Dieser enthält symptomatische Afferenzen, aber auch solche des N. vagus und des N. glossopharyngeus. Diese Fasern enden im Nucleus tractus solitarii n. vagus (X) und Nucleus spinalis n. trigemini (V). Zwischen diesen beiden Kerngebieten bestehen multiple Verschaltungen. Narben an den Tonsillen kommen ebenfalls als Störfelder in Betracht.

Störfeld Abdomen
Afferenzen aus dem gesamten Versorgungsgebiet des N. vagus können Reizungen des N. trigeminus induzieren.

Störfeld kraniozervikaler Übergang
Der Nucleus spinalis n. trigemini (V) reicht bis in das obere Zervikalmark und endet etwa in Höhe von C3. Im oberen Zervikalmark kommt es im Hinterhorn zur Überlappung von trigeminalen und zervikalen Afferenzen und zur Konvergenz in WDR-Neuronen (zerviko-trigeminale Konvergenz). Durch Summation der dort eingehenden Impulse gelangen nozizeptive Afferenzen aus dem kraniozervikalen Übergang zum spinalen Trigeminuskern.

Störfelder aus dem Versorgungsgebiet der folgenden Hirnnerven:

 

Weitere Störfelder können die Schilddrüse, der gynäkologische Raum bzw. die Prostata sein.

 

Fazit

Die Neuraltherapie ist bei konsequenter Durchführung ein äußert erfolgreiches Therapieverfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Erfolge werden auch bei langjährigen Beschwerden verzeichnet. Entscheidend für den Erfolg ist, dass die Ursache der Sympathikus induzierten Reizung des N. trigeminus behoben werden kann.

 

Literatur

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Dr. Bernd Belles D.O. (DAAO)
Vorstandsmitglied der Internationalen Ärztegesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (IGNH)
Dr. Gerd Belles D.O. (DAAO)
Fachärzte für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Sportmedizin, Chirotherapie
Praxisschwerpunkt: Neuraltherapie nach Huneke – Osteopathie
Am Sauerborn 28
54317 Gusterath

 

 

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Hippokrates Wochenende – Alma Mater Europaea Salzburg

Von Dr. med. Hans Barop | 17.August 2015

Auf Einladung des Präsidenten der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste Prof. Dr. Dr. h. c. Felix Unger fand vom 19. – 20.6.2015 ein Symposium für Akupunkteure, Neuraltherapeuten und Neurophysiologen in der Alma Mater Europaea in Salzburg statt.

Der Titel des Treffens war:

„Trauma, Inflammation und Regulation in Akupunktur und Neuraltherapie“

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Felix Unger, Dr. Rainer Stange, Präsident des ZAEN (Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V.) und Dr. Wolfram Stöhr, 1. Vorsitzender der DÄGFA (Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V.), hielten die Referenten Vorträge zu folgenden Themen:

Prof. H. G. Schaible, Jena: Nociception und Inflammation – Auslösung     und Hemmung durch lokale Traumata aus Sicht der Neurophysiologie

Dr. Th. Ots, Graz: Klassische Akupunktur im Lichte der      Segmentanatomie

Prof. G. Burnstock, Universität London: “Purinergic signalling in      acupuncture”

PD Ph. Lirk, Universität Amsterdam: Molekulare Wirkmechanismen      der Lokalanästhetika

Prof. L. Fischer, Universität Bern: Neuroregulation als möglicher      Primäreffekt der Neuraltherapie

Prof. J. Giebel, Universität Greifswald: Topische Aspekte der Procain-     Wirkung

 

 

Salzburg.  JFL Photography/www.fotolia.com

Ziel des Treffens war es, eine Verbindung zwischen den empirisch entwickelten Therapieverfahren Akupunktur und Neuraltherapie sowie der heutigen Neurophysiologie zu erstellen. Darüber hinaus sollte der Versuch unternommen werden, die pathophysiologischen Mechanismen der Entzündung und des Schmerzes mit den therapeutischen Beobachtungen beider Therapien in Einklang zu bringen und zu diskutieren. Zum ersten Mal gelang es dabei, einen Zusammenhang zwischen experimenteller Neurophysiologie, Neuraltherapie und Akupunktur herzustellen, sodass ein bidirektionaler Austausch stattfinden konnte. Wie zu erwarten zeigten sich sehr viele Ähnlichkeiten beider Behandlungsverfahren:

Der Reiz des Nadelstichs löst bereits zwei unterschiedliche Reaktionen aus:

  1. die direkte Nervenreizung des afferenten und efferenten Systems mit einer über das vegetative Nervensystem laufenden Reaktion
  2. die verletzungsbedingte Freisetzung von Mediatoren (u.a. Entzündungsmediatoren) aus dem Gewebe, die eine länger anhaltende reflektorische Antwort induziert

 

Im Falle der Neuraltherapie kommt noch die medikamentöse Wirkung hinzu. Sie besteht aus

- der Lokalanästhesie von afferenten wie efferenten Nervenstrukturen,

- einer Wirkung an den Zellen, die vom Lokalanästhetikum und

- im Falle des Procains zusätzlich von den Spaltprodukten DEAE      (Diäthylaminoäthanol) und PABA (Paraaminobenzoesäure) erreicht      wird.

 

Die Diskussion, wie vergleichbare therapeutische Ergebnisse (Akupunktur und Neuraltherapie) durch eine Reizung mit der Akupunkturnadel und die Reizlöschung durch die Neuraltherapie zustande kommen, gelang durch die neurophysiologischen Vorträge von Prof. Schaible, Prof. Burnstock und PD Lirk. Im Endeffekt führen die Wirkmechanismen über das Zusammenspiel von mechanischen und chemischen Reizen am vegetativen Nervensystem zu einer nachvollziehbaren segmentalen und zentralen Reizantwort, sodass eine Unterbrechung des bestehenden reflektorischen Entzündungsvorgangs möglich wird. Die zentrale Schmerzwahrnehmung ist ein zusätzlicher Faktor: Sie ist dem regionalen Entzündungsvorgang nachgeschaltet und führt über den Abbau der Entzündung zu einer Normalisierung des Gewebes.

Die anhaltende therapeutische Wirkung, die in der Persistenz der Normalisierung besteht, ist möglicherweise auf die regionale Reizung der Gefäßdilatatoren zurückzuführen, sodass eine Verbesserung der Mikrozirkulation stattfindet. Diese Annahme wurde durch den Vortrag von Prof. Giebel bestätigt, der den Nachweis von cholinergen (parasympathischen) gefäßdilatatorischen Nerven führte. Die erhöhte Mikrozirkulation ist ein physiologischer Mechanismus, der dem Organismus unter anderem zur Regeneration oder Wundheilung zur Verfügung steht. Dieser Mechanismus scheint bei der Akupunktur und noch deutlicher durch die Neuraltherapie über das Spaltprodukt des Procains DEAE ausgelöst zu werden.

Als Zusammenfassung aller Vorträge sind die folgenden Aussagen abschließend als wesentliche Resultate des Treffens hervorzuheben:

  1. Die Informationsübertragung vom Nervensystem, speziell dem Vegetativum, zur Zelle kann bidirektional bis auf die molekulare Ebene als experimentell gesichert gelten.
  2. Die Wirkmechanismen der Akupunktur und Neuraltherapie sind aus neurophysiologischer Sicht in wesentlichen Anteilen erklärbar.
  3. Die Nomenklatur der chinesischen Darstellung der Wirkmechanismen der Akupunktur ist mithilfe der Neuroanatomie und Neurophysiolgie gut zu übersetzen. Sie passt in die Theorien der westlichen Medizin.
  4. Die unterschiedlichen Wirkungen der Lokalanästhetika (side effect) außerhalb der Lokalanästhesie können als experimentell gesichert gelten.
  5. Die experimentelle Neurophysiologie des vegetativen Nervensystems wird der weitere Weg sein, um die Anwendung von Lokalanästhetika zur Therapie wissenschaftlich zu belegen.
  6. Der Begriff Regulationsmedizin erhält durch die Akupunktur und die Neuraltherapie eine besondere Bedeutung im Vergleich zu anderen Therapieregimen, die als eigenständige Therapiekonzepte bewertet werden. Dies ist insbesondere auch auf die wiederholt kurzfristige Anwendung und langfristige Wirkung von Lokalanästhetika im Rahmen der Neuraltherapie zurückzuführen.
  7. Hieraus entstehen aus wissenschaftlicher Sicht breit aufgestellte Untersuchungsoptionen zur Bestätigung und Klärung der Wirkmechanismen von Akupunktur und Neuraltherapie bei unterschiedlichen Erkrankungen.
  8. Im Vortrag von Prof. Giebel wurde der Nachweis parasympathischer (sympathisch cholinerger) Nervenfasern in der Haut und den Spinalganglien im Verbund mit den Gefäßen geführt. Diese bislang wenig beachtete Gegebenheit bestätigt alte anatomische Veröffentlichungen, die von einer generellen cholinergen Versorgung der Gefäße als Vasodilatatoren ausgehen. Die Vasodilatation ist u.a. im Rahmen der Mikrozirkulation und damit der Regeneration von Bedeutung, insbesondere beim Abbau von Entzündungsprozessen und im Schmerzgeschehen. Sie scheint durch Akupunktur und Neuraltherapie induziert und anschließend autoregulativ durch den Organismus selbst bis zur „Heilung“ fortgesetzt zu werden.

 

Alles in Allem war es für alle Beteiligten eine sehr interessante Tagung, in der es ausreichend Zeit gab, das Gehörte mit allen Kollegen ausgiebig zu diskutieren.

Mit herzlichem Dank an die Veranstalter für die gelungene Tagung,

Ihr Dr. Hans Barop

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90 Jahre Neuraltherapie nach Huneke

Von Dr. Jennifer Nehls | 22.Juli 2015

Heute blicken wir auf die 90-jährige Geschichte der Neuraltherapie zurück, angefangen mit einer eher zufälligen Injektion von Procain bei einer Migräne-Patientin durch Ferdinand Huneke im Jahr 1925, über die Einführung des Begriffs Neuraltherapie im Jahr 1938 bis hin zum heutigen Tag, an dem die Neuraltherapie gefragter ist als je zuvor. Die Relevanz der Neuraltherapie in der alternativen Medizin der heutigen Gesellschaft fordert eine ständige Fort- und Weiterbildung eines jeden Praktikers. Exakte Kenntnisse des vegetativen Nervensystems sind dabei eine wesentliche Voraussetzung für die sichere Anwendung der Injektionen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der neuraltherapeutischen Ausbildung liegt daher auf der Vermittlung neurovegetativer Kenntnisse und der exakten Anleitung aller Injektionen. Vor diesem Hintergrund blicken wir in unserem Jubiläumsjahr voller Stolz auf eine Reihe hochinteressanter Fortbildungen und Veranstaltungen, die wir mit Spannung erlebt haben und denen wir mit großer Vorfreude entgegensehen.

 

Injektion mit Procain.
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Dozententreffen im Januar

Die Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke e.V. (IGNH) veranstaltete gleich zu Beginn des Jahres ein Treffen und lud alle Kursleiter und Tutoren zur fachlichen Weiterbildung und zum kollegialen Austausch nach Kassel ein. Nach einem gemütlichen Come Together mit einem gemeinsamen Abendessen wurden am nächsten Tag Themen rund um die Ausbildung, das Qualitätsmanagement und den Umgang mit Komplikationen im Rahmen der Neuraltherapie diskutiert.

 

Jubiläumsveranstaltung im März

In Freudenstadt fand die Jubiläumsveranstaltung „90 Jahre Neuraltherapie nach Huneke“ statt. Unter der Moderation von Dr. Uta Rehder informierten renommierte Referenten wie Dr. Hagen Huneke, Prof. Dr. Lorenz Fischer und Dr. Hans Barop über Themen wie die historische Entwicklung und neuroanatomische sowie neurophysiologische Aspekte der Neuraltherapie. Begleitend konnten die Teilnehmer ihre praktischen Kenntnisse in verschiedenen Neuraltherapiekursen vertiefen.

 

10. Neuraltherapie-Seminar im Mai

Anfang Mai folgte das 10. Neuraltherapie-Seminar der Universität Greifswald. Am Institut für Anatomie und Zellbiologie boten die Referenten in einer Reihe hochinteressanter Vorträge zum „Einfluss des autonomen Nervensystems auf Entzündung und Schmerz“ neue Denkanstöße für den Praktiker. Prof. Dr. Jürgen Giebel, der im Rahmen der Veranstaltung mit der Huneke-Medaille geehrt wurde, präsentierte mit seinem Team hervorragend vorbereitete anatomische Präparate, sodass die Teilnehmer ihre neuroanatomischen Kenntnisse vertiefen und die Injektionstechniken verfeinern konnten.

 

Vorstandssitzung im Juni

In Frankfurt diskutierten die Vorstandsmitglieder der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke e.V. (IGNH) unter anderem über künftige Kongresse, die Ausbildung der Dozenten sowie über die Modernisierung der Ausbildung der Neuraltherapeuten. Ein bedeutendes Thema war die Ausbildung zum Diplom-Triggerpunkt-Therapeuten (IGNH), die in diesem Jahr im Rahmen der Medizinischen Woche in Baden-Baden startet.

 

ZAEN-Herbstkongress im Oktober

Am 3. und 4. Oktober erwartet uns in Freudenstadt der 129. ZAEN-Kongress. Die Teilnehmer können am Samstag den Kurs neuraltherapeutische Injektionstechniken 2 (Kurs VI) absolvieren, um Injektionen im Bereich der Wirbelsäule und des Wirbelkanals zu erlernen. Am Sonntag wird die Neuraltherapie in den Fachbereichen der Inneren Medizin, der Pädiatrie sowie der Augen- und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (Kurs IX) gelehrt.

 

Medizinische Woche im Oktober/November

Wenige Wochen später erwartet uns ein ganz besonderes Event in Baden-Baden: Europas größter Ärztekongress für Komplementärmedizin. Diesem Ereignis sehen wir voller Spannung und Freude entgegen, da wir erstmalig in Deutschland die Kursreihe Triggerpunkte mit der Zertifizierung zum Diplom-Triggerpunkt-Therapeuten (IGNH) anbieten. Ergänzend zu zahlreichen Vorträgen erwartet die Teilnehmer ein umfangreiches Kursprogramm:

Freitag, 30. Oktober 2015
Neuraltherapie nach Huneke (Kurs I)
Propädeutikkurs Regulationsmedizin

Neuraltherapie nach Huneke (Kurs IV)
Neuraltherapeutische Injektionstechniken: Injektionen an Gefäße, Nerven und Ganglien

Triggerpunktkurs 1
Einführung, Theorie, untere Extremität

Samstag, 31. Oktober 2015
Neuraltherapie nach Huneke (Kurs II)
Segmentdiagnostik und Segmenttherapie

Neuraltherapie nach Huneke (Kurs V)
Zahnkurs

Triggerpunktkurs 2
Becken, Wirbelsäule, obere Extremität

Sonntag, 1. November 2015
Neuraltherapie nach Huneke (Kurs III)
Störfelddiagnostik und Störfeldtherapie

Neuraltherapie nach Huneke (Kurs VII)
Neuraltherapie in den Fachbereichen Gynäkologie und Urologie

Triggerpunktkurs 3
Kopf, Repetitorium und Prüfung

Baden-Baden.
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Bad Meinberger Woche im November

Vom 18. bis 21. November findet die 25. Bad Meinberger Woche mit einem Schwerpunktthema statt. Qualifizierte Referenten bieten den Teilnehmern ergänzend zu den theoretischen Vorträgen in praktischen Kursen die Möglichkeit, alle Injektionen zu erlernen oder die Techniken zu verfeinern. Die geringe Kursteilnehmerzahl ermöglicht eine optimale Anleitung der Injektionen eines jeden Teilnehmers durch erfahrene Referenten. Besonders geschätzt werden im Rahmen der Bad Meinberger Woche auch stets das abendliche Rahmenprogramm, das der Kontaktpflege der Teilnehmer und Referenten dient sowie die abendliche Diskussionsrunde.

 

Internationale Vorträge

Viele unserer Vorstands- und Teammitglieder sind darüber hinaus auch in diesem Jahr wieder auf internationalen Vorträgen und Kursen als Referenten geladen, sodass durch zahlreiche Diskussionen im Rahmen der Vorträge auch ein internationaler Austausch unter den Kollegen gewährleistet wird.

 

Meilensteine in der Geschichte der Neuraltherapie

 

1925
1. neuraltherapeutische Behandlung durch Ferdinand Huneke

1927
Produktion von Impletol durch die Firma IG-Farben (heute: Firma Bayer AG, Leverkusen) auf Anregung von Ferdinand Huneke

1928
1. Veröffentlichung der Brüder Ferdinand und Walter Huneke über „unbekannte Fernwirkungen der Lokalanästhetika-Heilanästhesie

1938
Einführung des Begriffs „Neuraltherapie“ durch von Roque

1940
Entdeckung der Störfeldtherapie durch Ferdinand Huneke

1989
Gründung der Bad Meiniger Woche durch Jürgen Huneke

2015
90 Jahre Neuraltherapie

 

Wir freuen uns auf viele weitere gemeinsame Jahre mit spannenden internationalen Kongressen auf denen das neuraltherapeutische Know-how von Kollegen aus aller Welt durch ein gemeinsames Anliegen zusammengeführt werden kann.

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Verleihung der Huneke-Medaille 2015 an Prof. Dr. Giebel – Interview mit Dr. Barop

Von Dr. Jennifer Nehls | 19.Juni 2015

Am 9. Mai 2015 wurde die Huneke-Medaille im Rahmen des 10. Neuraltherapie-Seminars am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Greifswald an Herrn Prof. Dr. Jürgen Giebel verliehen. Nach einer feierlichen Laudatio überreichte Dr. Hans Barop die Medaille unter lang anhaltendem Applaus der Neuraltherapeuten. Dr. Jennifer Nehls führte ein Interview mit Herrn Dr. Barop über die Hintergründe der Verleihung.

 

Nehls: Herr Barop, was ist das Besondere an der Huneke-Medaille?

Barop: Mit der Huneke-Medaille werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderer Weise für die Neuraltherapie einsetzen.

Nehls: In welcher Form?

Barop: Die Kollegen zeigen ein besonderes Engagement, sei es durch Forschung, Fachpublikationen, die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte rund um die Neuraltherapie, die Entwicklung neuer Injektionstechniken oder die aktive Arbeit innerhalb des Verbands.

Nehls: Wie häufig findet diese Verleihung statt?

Barop: Die Medaille wird nur unregelmäßig verliehen. Erstmals wurde sie 1970 an Herrn Prof. Kibler für seine Grundlagenforschung zur Neuraltherapie verliehen und zuletzt im Jahr 2013 an Imke Plischko für ihr großartiges Engagement bei der Verbreitung von Fach- und Patienteninformationen in den neuen Medien.

Nehls: Wie häufig wurde die Auszeichnung in der Vergangenheit bereits verliehen?

Barop: Insgesamt 17-mal, wobei die Medaille an Ärzte, Zahnärzte, Biologen, Medizinjournalisten, aber auch an Tiermediziner verliehen wurde.

Nehls: Welche besondere Bedeutung hat Prof. Giebel für die Neuraltherapie?

Barop: Als gleichzeitig diplomierter Biologe hat Prof. Giebel ein besonderes Faible für die morphologische und funktionelle Anatomie. Damit ist die Mischung aus umfassenden Kenntnissen der Neuroanatomie des vegetativen Nervensystems und der entsprechenden neurophysiologischen Details bis in die Molekularbiologie eine besondere Voraussetzung, die theoretischen Grundlagen der Neuraltherapie auf solide wissenschaftliche Beine zu stellen und dem praktizierenden Neuraltherapeuten zu vermitteln. Er schafft so eine Brücke zwischen der Hochschulmedizin und dem Alltag des Praktikers und verdeutlicht die hochschulmedizinischen Grundlagen der Neuraltherapie.

Prof. Dr. Jürgen Giebel ( IGNH).

Nehls: Inwiefern?

Barop: In Zusammenarbeit mit der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie  nach Huneke (IGNH) und anderen Gesellschaften organisiert er seit Jahren regelmäßig Seminare am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Greifswald. Prof. Giebel ist ein hervorragender und unermüdlicher Referent der funktionellen Anatomie für angewandte und praktische Medizin. Es gelingt ihm – manchmal in mühevoller Kleinstarbeit am Präparat – anatomische und neurophysiologische Zusammenhänge aufzuzeigen und theoretisches Wissen mit dem praktischen Nutzen zu kombinieren, sodass die Informationen von nachhaltigem Wert für den Praktiker sind. Dabei vermittelt er die Zusammenhänge zwischen der Injektion und den anatomischen Strukturen, zwischen Nerven- und Gefäßsystem und kann damit den neurophysiologischen Weg der Behandlung aufzeigen und gleichzeitig die Injektionssicherheit verifizieren. Die Demonstrationen im Präpariersaal des anatomischen Instituts sind hervorragend organisiert. Sie zeigen deutlich die Unterschiede zwischen den anatomischen Zeichnungen im Lehrbuch und der Dreidimensionalität in situ. Kenntnisse der topografischen Anatomie sind unabdingbar für gezielte und tiefere Injektionen. Sie lassen sich weder durch Bilder noch durch eine virtuelle Darstellung der Anatomie über bildgebende Verfahren so eindrücklich erlernen wie durch die Demonstrationen im Präpariersaal.

Prof. Dr. Giebel (links) demonstriert den Teilnehmern bedeutende anatomische und neurophysiologische Zusammenhänge ( Imke Plischko).

Nehls: Warum war es Ihnen eine besondere Ehre, die Laudatio für Herrn Prof. Giebel halten zu dürfen?

Barop: Es war mir eine besondere Ehre ihm die Medaille als Lehrer und Wissenschaftler, als Freund und Arzt überreichen zu dürfen. Die Medaille wurde ihm für seine qualitativ hochwertige Lehre im Präpariersaal und seine wissenschaftlich kritische Auseinandersetzung mit der Neuraltherapie verliehen. Durch ihn hat die Neuraltherapie eine richtungsweisende Verbesserung erfahren. Es ist eine besondere Art der Wertschätzung, die zugleich dem Wohle des Patienten dient. Prof. Giebel ist ein biologisch versierter und respektvoller Wissenschaftler, der einen offenen, aber kritischen Blick auf die funktionellen Zusammenhänge der Anatomie hat. Gleichzeitig ist er ein „unbestechlicher Kritiker der medizinischen Entfremdung“.

Nehls: Ein unbestechlicher Kritiker der medizinischen Entfremdung?

Barop: Die Medizin hat sich in atemberaubender Geschwindigkeit entwickelt, aufgeteilt in viele Fachbereiche mit sehr hoher Leistungsfähigkeit. Dabei ist die Denkweise zu häufig einseitig in Richtung „Krankheit als Feind“ mit Therapieregimen ausgerichtet, die in erster Linie Symptom-Suppression bedeuten, unter Inkaufnahme teilweise erheblicher Nebenwirkungen. Prof. Giebel unterstreicht die Möglichkeit durch betonte Berücksichtigung der physiologischen Reparaturmöglichkeiten eines Organismus einen therapeutisch vornehmlich kausalen Zugang anzustreben, der über körpereigene Regulationsmechanismen erreichbar ist. In der Weiterentwicklung der Medizin ist diese Möglichkeit noch zu wenig berücksichtigt. Dies unterstreicht auch die Notwendigkeit der ständigen Weiterbildung des Neuraltherapeuten, deren regulationsmedizinisches Behandlungskonzept über das vegetative Nervensystem diese Idee in die Tat umsetzt.

Nehls: Lieber Herr Barop, ich danke Ihnen herzlich für das interessante Gespräch.

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Muskeltriggerpunkte (Teil 2) – Die neuraltherapeutische Behandlung

Von Dr. Jennifer Nehls | 13.Mai 2015

Als myofasziale Triggerpunkte werden schmerzhafte Bereiche der Muskulatur, Sehnen oder Bänder bezeichnet, die dem Patienten bei Bewegung oder Druck, aber auch bereits im Ruhezustand ausstrahlende Schmerzen – sogenannte „referred pains“ – bereiten (Fischer, 2013). Der vom Triggerpunkt projizierte Schmerz, der einer pseudoradikulären Symptomatik entspricht, kann beispielsweise mit Hyper- oder Parästhesien, Hypertonus, Verkürzungen oder Schwäche einhergehen und wird häufig als eigentlicher oder ausschließlicher Problembereich vom Patienten genannt. Um einem chronischen Schmerzsyndrom, das auf einer peripheren Sensibilisierung beruht (Gallacchi u. Pilger, 2005), und den damit einhergehenden therapeutischen Schwierigkeiten (Hecker u. Liebchen, 2011) entgegenwirken zu können, ist eine zeitnahe Therapie empfehlenswert. Die Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie e.V. (IGNH) bietet Ihnen jetzt erstmals eine hochqualifizierte Ausbildung zum Triggerpunkt-Therapeuten mit zertifiziertem Diplom an.

 

Hintergründe

Die myofasziale Schmerzsymptomatik, die häufig aufgrund einer akuten oder chronischen Muskelüberlastung oder seltener infolge einer Traumatisierung der Muskulatur entsteht (Fischer u. Peuker, 2013; Hecker u. Liebchen, 2011), tritt gehäuft bei Patienten mit monotonen und sich wiederholenden Bewegungsmustern der Arme oder Hände und einer damit einhergehenden ungünstigen Körperhaltung sowie bei Sportlern mit wiederholten Belastungen auf (Hecker u. Liebchen, 2011). Problematisch erweist sich dabei die Tatsache, dass die isolierte Behandlung des oftmals fernab vom Triggerpunkt liegenden und vom Patienten beschriebenen Schmerzareals keinerlei Besserung der Symptomatik verspricht, sodass eine Triggerpunktbehandlung anzustreben ist, um die Beschwerden erfolgreich zu lindern.

Während bei der Behandlung akuter Triggerpunkte durch eine zielgerichtete Therapie wieder eine vollständige Beschwerdefreiheit erlangt werden kann, besteht bei chronischen Spannungszuständen aufgrund von Umbauprozessen der faszialen und muskulären Strukturen das Risiko einer Chronifizierung der Schmerzsymptomatik, sodass eine bindegewebige Verhärtung entsteht (Hecker u. Liebchen, 2011). Diese kann zu einer langfristigen Einschränkung führen und aufgrund einer Schonhaltung in einem Circulus vitiosus münden, sodass eine zeitnahe Therapie empfehlenswert ist.

Monotone Bewegungen der Arme können beim stundenlangen Arbeiten am Computer zu einer myofaszialen Schmerzsymptomatik im Schulter-Nacken-Bereich führen.

Identifizierung aktiver Triggerpunkte

Die Anamnese des Patienten, die auch Zusammenhänge weit zurückliegender Ereignisse hinterfragt, erweist sich in der Neuraltherapie als maßgeblicher Bestandteil der klinischen Untersuchung, da sie hinweisend auf potenzielle Störfelderkrankungen sein kann (Barop, 2014). Anhand der anschließenden Inspektion von Haut, Bewegungsapparat, Mundhöhle und Zähnen (Barop, 2014) und der vom Patienten beschriebenen Projektionsareale der ausstrahlenden Schmerzen (Fischer u. Peuker, 2013; Hecker u. Liebchen, 2011) sowie einer gründlichen Palpation erhält der Neuraltherapeut Hinweise auf die Lokalisation aktiver Triggerpunkte (Fischer, 2013). Durch eine gründliche Palpation, die einem langen Lernprozess unterliegt, können Befunde erhoben werden, die zuvor weder anamnestisch noch inspektorisch auffällig waren, aber wesentlich für eine erfolgreiche Neuraltherapie sind. Als besonders wichtig für die Beurteilung der Befunde erweisen sich dabei die anatomischen Kenntnisse der Nervendurchtritts- oder Nervenaustrittspunkte sowie deren korrekte Zuordnung zu den Spinalsegmenten und Hirnnerven. Die manuelle Reizung bei der Palpation eines aktiven Triggerpunkts löst oftmals eine deutlich sichtbare lokale Zuckungsantwort (local twich, Fischer u. Peuker, 2013; Hecker u. Liebchen, 2011) des Muskels aus, die auch bei der Nadelung erkennbar ist, sowie eine typische Ausstrahlung des Schmerzes in den Projektionsbereich des Triggerpunkts. Ein Phänomen, das zur Identifikation aktiver Triggerpunkte im Rahmen der Neuraltherapie genutzt werden kann.

Unzureichend behandelte Schmerzen hinterlassen Spuren im Nervensystem und führen zur Chronifizierung der Symptomatik.

 

Neuraltherapie

Die neuraltherapeutische Behandlung der myofaszialen Triggerpunkte setzt eine gründliche Anamnese und Untersuchung des Patienten sowie eine Indikationsstellung unter Beachtung möglicher Kontraindikationen voraus (Barop, 2014).

Praktisches Vorgehen

Der Patient sollte vor jeder Therapie über die zu erwartenden Reaktionen nach der Behandlung sowie über mögliche Nebenwirkungen und Risiken der geplanten Injektionen aufgeklärt werden. Der Patient ist darüber hinaus über injektionsbedingte Schmerzen wie gelegentliche Blitzschmerzen bei der Injektion an periphere Nerven zu informieren.

Während der Therapie sollte sich der Patient – je nach Injektion – in einer entspannten Position in Rücken-, Bauch- oder Seitenlage (Dry Needling Verband Schweiz, 2014) befinden oder bequem sitzen, sodass keine unnötigen Lagewechsel erforderlich sind und keine Unruhe während der Behandlung entsteht (Barop, 2014). Standardisierte Lagerungen erhöhen die Treffsicherheit und sind somit zu bevorzugen.

Die Haut des Patienten sollte vor der Neuraltherapie desinfiziert werden (Barop, 2014). Die Injektion oder Nadelung selbst sollte präzise und schmerzarm sein. Starke Schmerzen dürfen nicht auftreten, andernfalls ist der Sitz der Nadel zu überprüfen. Für die einzelnen Nadel- und Injektionstechniken empfehlen wir interessierten Ärzten die neue Ausbildungsreihe der IGNH zum Triggerpunkt-Therapeuten. Zudem wird auf die einschlägige Literatur verwiesen (Barop, 2014; Dry Needling Verband Schweiz, 2014; Fischer, 2013).

Das weitere Procedere der Therapie variiert in Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik des Patienten, so sollte die nächste Behandlung bei akuten Beschwerden nach 1 bis 2 Tagen und bei chronischer Symptomatik nach etwa 1 Woche folgen (Barop, 2014). Nach erneuter Anamnese des Patienten zeigt sich häufig, ob die eingeleitete Therapie Erfolge zeigt, sodass sie bis zur Beschwerdefreiheit fortgesetzt werden kann oder ob die Lokalisation der Nadelungen oder Injektionen geändert werden muss.

 „Wet needling“

Die Neuraltherapie nach Huneke führt durch den Stich der Nadel zur Reizsetzung und durch die Applikation eines Lokalanästhetikums zusätzlich zur Reizausschaltung, sodass die pathologische Reizung des Sympathikus gezielt unterbrochen werden kann (Barop, 2014). Ziel ist es, durch die Reizunterbrechung eine Normalisierung der Sympathikusfunktion zu erreichen, die länger als die medikamentöse Reizunterbrechung anhält.

Neuraltherapeutikum

Da eine längerfristige Unterbrechung der Sympathikusreizung auch mit einer längeren Unterbrechung der angestrebten Autoregulation einhergeht, ist ein Lokalanästhetikum mit möglichst kurzer Wirkdauer bei geringster Toxizität zu wählen (Barop, 2014). Hier ist ein klarer Unterschied zur klassischen Anwendung des Lokalanästhetikums im Rahmen der Lokalanästhesie zu sehen, bei der eine möglichst langfristige Wirkung erreicht werden soll. Als Mittel der Wahl bietet sich daher das esterstrukturierte Procain (1%ig) an, das je nach Applikationsort eine etwa 20-minütige Unterbrechung der Reizleitung bewirkt. Langwirksame Lokalanästhetika wie amidstrukturiertes Lidocain mit einer Wirkdauer von etwa 60 Minuten verbessern den therapeutischen Effekt nicht, da die gewünschte Normalisierung der vegetativen Reizleitung nur von der Unterbrechung der pathologischen Reizung, nicht aber von deren Dauer abhängig ist. Darüber hinaus beeinträchtigen amidstrukturierte Lokalanästhetika den neuraltherapeutischen Effekt, da sie die Mirkozirkulation der applizierten Lösung am Injektionsort nachteilig beeinflussen und somit die Unterbrechung der Autoregulation unnötig verlängern.

Während die Abbauprodukte des Lidocains therapeutisch wertlos sind (Barop, 2014), stellen die Spaltprodukte des Procains – Paraaminobenzoesäure und Diäthylaminoäthanol – therapeutisch wirksame Substanzen dar, die eine vasodilatierende Wirkung am Ort der Injektion (Diäthylaminoäthanol) und eine kapillarabdichtende (Paraaminobenzoesäure) Wirkung haben.

Ziel ist es, kleine Mengen des Procains durch die gezielte Injektionstechnik an die erkrankte Struktur zu applizieren, ohne das Gewebe mit dem Lokalanästhetikum zu durchfluten (Barop, 2014). Die maximale Dosis 1%igen Procains von 50 ml wird für die Neuraltherapie nicht benötigt. Üblicherweise sollten nicht mehr als 30 ml Procain pro Sitzung injiziert werden.

Material

Beim „wet needling“ erfolgt die Injektion eines Lokalanästhetikums mit einer Hohlnadel (Dunning et al., 2014), wobei die Kanüle je nach Lokalisation der Beschwerden für die unterschiedlich tiefen Injektionen eine Länge zwischen 2 und 12 cm aufweisen sollte (Barop, 2014). Eine 5-ml-Einmalspritze bietet sich an, da sie aufgrund ihrer Größe optimal in der Hand des Therapeuten liegt. Da Injektionsvolumina von mehr als 5 ml an einer Lokalisation selten sind, ist ein Wechsel der Spritze während der Injektion kaum notwendig.

Eine Injektion an die Zähne erfordert hingegen eine Karpulenspritze, wie sie in der Zahnmedizin gängig ist, und eine 2 cm lange Kanüle, da längere Kanülen sich in der engen Mundhöhle erfahrungsgemäß als sperrig erweisen. Zur besseren Ausleuchtung der Mund- oder Nasenhöhle bietet sich zudem eine optimale Beleuchtung an.

Nebenwirkungen

Grundsätzlich ist mit den Nebenwirkungen zu rechnen, die durch das jeweilige Injektionsverfahren entstehen, aber auch mit solchen, die durch das Lokalanästhetikum verursacht werden. Bei richtiger Anwendung stellt die Neuraltherapie unter Beachtung der Kontraindikationen jedoch eine sichere Methode zur Behandlung myofaszialer Triggerpunkte dar (Fischer et al., 2005). Statistiken zeigen, dass es unter mindestens 200.000 Injektionen in keinem Fall zu schwerwiegenden Komplikationen kam, die medikamentös oder anderweitig behandelt werden mussten. Leichtere vegetative Reaktionen wie Schwindel, Schwitzen, ein zittriges Gefühl, ein Wärmegefühl oder ein metallischer Geschmack seien hingegen häufig zu beobachten, aber von vorübergehender Natur (etwa 10–15 Minuten; Fischer, 2013). Risiken, die mit der Injektion verbunden sind, können durch genaue Kenntnisse anatomischer Strukturen reduziert und sollten im Vorwege mit dem Patienten besprochen werden (Barop, 2014). Nähere Informationen zu den Risiken einzelner Injektionstechniken beschreibt Barop ausführlich in seinem Werk „Lehrbuch und Atlas Neuraltherapie“.

 

Jetzt neu: Machen Sie Ihr Diplom!

Die Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie e.V. (IGNH) bietet seit 2015 weltweit erstmals eine hochqualifizierte Ausbildung zum Triggerpunkt-Therapeuten mit zertifiziertem Diplom an. Die Kursreihe findet im Rahmen der medizinischen Woche in Baden-Baden statt. Die Teilnahme an allen 3 Triggerpunktkursen der IGNH und die erfolgreiche Prüfung berechtigen den Teilnehmer zum Führen der Bezeichnung „Diplom-Triggerpunkt-Therapeut (IGNH)“.

 

Freitag, 30. Oktober 2015

Triggerpunktkurs 1
Einführung, Theorie, untere Extremität

Kursleiter:
Dr. Gerd Belles D.O. (DAAO) und Dr. Simona Mangold D.O. (DAAO) 

Theorie:

 

Praxis:
Schmerzen Rücken, Hüfte und untere Extremität

Muskeln:
M. errector spinae, M. quadratus lumborum, M. iliolumbalis, M. iliopsoas, M. piriformis, M. biceps femoris, M. semitendinosus, M. semimembranosus (ischiocrurale Muskeln), Mm. adductores longus, brevis et magnus, M. gracilis (Adduktoren), M. tensor fasciae latae, Mm. gluteus minimus, medius et maximus, M. quadriceps femoris, M. gastrocnemius, M. soleus, M. tibialis posterior, Mm. extensores et flexores digitorum et hallucis brevis

 

Samstag, 31. Oktober 2015

Triggerpunktkurs 2
Becken, Wirbelsäule, obere Extremität

Kursleiter:
Prof. Dr. Lorenz Fischer und Dr. Johanna Fork

Theorie:

 

Praxis:
Schmerzen Schulter, obere Extremität, Thorax und Abdomen

Muskeln:
M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor, M. subscapularis (Rotatoren), M. rhomboideus, Mm. serratus anterior et posterior, M. pectoralis major, M. pectoralis minor, M. teres major, M. deltoideus, M. triceps brachii, M. anconeus, M. biceps brachii, M. brachialis, M. brachioradialis, Mm. flexores digitorum profundus et superficialis, Mm. flexores carpi radialis et ulnaris, Mm. extensores carpi radialis et ulnaris, M. extensor digitorum, M. flexor pollicis longus, Mm. interossei der Hand, M. rectus abdominis

 

Sonntag, 1. November 2015

Triggerpunktkurs 3
Kopf, Repetitorium, Prüfung, Diplom-Ausgabe

Kursleiter:
Dr. Gerd Belles D.O. (DAAO) und Dr. Gerd Droß

Theorie:

 

Praxis:

 

Muskeln:
M. trapezius, M. levator scapulae, M. splenius capitis, M. splenius cervicis, M. recti capitis posterior major et minor, Mm. obliqui capitis superior et inferior, Mm. semispinalis capitis et cervicis, M. sternocleidomastoideus, M. pterygoideus lateralis et medialis, M. masseter, M. temporalis

Prüfung:
Curriculum mit gemeinsamer mündlicher Prüfung

Nähere Informationen zum Kurs erhalten Sie im Sommer.

 

Literatur

Barop H. Lehrbuch und Atlas Neuraltherapie. 2. Aufl. Stuttgart: Haug; 2014

Dunning J, Butts R, Mourad F et al. Dry needling: a literature review with implications for clinical practice guidelines. Phys Ther Rev 2014; 19 (4): 252–265

Dry Needling Verband Schweiz. Schweizerische Richtlinien für sicheres Dry Needling. Im Internet: http://www.dryneedling.ch/fileadmin/documents/Richtlinien_fuer_sicheres_Dry_Needling_1.6.pdf; Stand: November 2014

Fischer L. Neuraltherapie. Neurophysiologie, Injektionstechnik und Therapievorschläge. 4. Aufl. Stuttgart: Haug; 2013

Fischer L, Peuker ET, Hrsg. Lehrbuch Integrative Schmerztherapie. Stuttgart: Haug; 2013

Gallacchi G, Pilger B, Hrsg. Schmerzkompendium: Schmerzen verstehen und behandeln. 2. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2005

Fischer L, Barop H, Maxion-Bergemann S. Health Technology Assessment Neuraltherapie nach Huneke. PEK des Schweizerischen Bundesamts für Gesundheit; 2005

Hecker HU, Liebchen K, Hrsg. Aku-Taping. Akupunkturpunkte, viszerale und myofasziale Triggerpunkte. Stuttgart: Haug; 2011

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10. Neuraltherapie-Seminar der Universitätsmedizin Greifswald

Von Dr. Jennifer Nehls | 4.März 2015

Vom 8. – 10. Mai 2015 lädt die Universitätsmedizin Greifswald in Zusammenarbeit mit der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke e.V. (IGNH) zu einem besonders spannenden Anlass ein: Das Institut für Anatomie und Zellbiologie verschafft mit vielen interessanten Vorträgen renommierter Referenten zum „Einfluss des autonomen Nervensystems auf Entzündung und Schmerz“ eine besondere Praxisnähe. Ergänzend zu der Vortragsreihe bietet sich dem Teilnehmer die Möglichkeit, die Anatomiekenntnisse in kleinen Gruppen an anatomischen Präparaten aufzufrischen und neuraltherapeutische Injektionstechniken am Patienten zu üben. Ein gemeinsames „Come together“ rundet die Veranstaltung ab und bietet die Möglichkeit, Kontakte zu vertiefen und sich mit den Referenten auszutauschen.

Herrn Dr. Rehder sowie Herrn Prof. Dr. Giebel, Herrn Prof. Dr. Endlich und ihrem großartigen Team sei an dieser Stelle herzlich für die Organisation und Ausrichtung der Veranstaltung gedankt!

 

Greifswald.

Freitag, 8. Mai 2015

19.30 Uhr
Treffen in der Brasserie Hermann

 

Samstag, 9. Mai 2015

8.30 Uhr
Prof. Dr. Karlhans Endlich und Dr. Jürgen Rehder: Begrüßung

8.45 Uhr
Prof. Dr. Thomas Koppe: Topografische Anatomie des sympathischen Nervensystems

9.15 Uhr
Prof. Dr. Olaf Grisk: Wird die Schmerzempfindlichkeit durch das Vegetativum moduliert?

9.45 Uhr
Dr. Bernadette Gaida: Klassifikation von Kopfschmerzen

10.15 Uhr
Kaffeepause

10.45 Uhr
Präpariersaal:

 

12.30 Uhr
Mittagspause

14.15 Uhr
Prof. Dr. Jürgen Giebel: Die Rolle des Sympathikus bei verschiedenen Erkrankungen

14.45 Uhr
Dr. Andreas Budig: Behandlung von Kopfschmerzen mit Neuraltherapie

15.15 Uhr
Kaffeepause

15.45 Uhr
Präpariersaal:

 

17.15 Uhr
Neuraltherapeutische Übungen

20.00 Uhr
„Come together“ im Restaurant Theatercafe

 

Sonntag, 10. Mai 2015

9.00 Uhr
Dr. Antje Vogelgesang: Vegetatives Nervensystem und Immunsystem

9.30 Uhr
Dr. Stefan Fielmuth: Bildgebung bei Regionalanästhesieverfahren

10.00 Uhr
Michaela Keil: Neuraltherapie in der Chirurgie

10.30 Uhr
Kaffeepause

11.00 Uhr
Dr. Armin Reimers: Die Rolle der Neuraltherapie bei Entzündung

11.30 Uhr
Dr. Bärbel Miehe: Innervation der Mundhöhle und des Rachens

12.00 Uhr
Dr. Jürgen Rehder und Prof. Dr. Jürgen Giebel: Resümee und Ausblick

 

Anmeldung und weitere Informationen:

Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke e.V.
Am Promenadenplatz 1
72250 Freudenstadt
Tel.: 07441/918580
Fax: 07441/9185822

Kursgebühren:

Mitglieder der IGNH
bis zum 01.04.2015: 290,- €
bis zum 01.05.2015: 320,- €

Nichtmitglieder
bis zum 01.04.2015: 340,- €
bis zum 01.05.2015: 370,- €

Überweisung an: Bayerische Hypo- und Vereinsbank München
IBAN: DE44700202706860085923
BIC: HYVEDEMMXXX

Bitte bei der Bezahlung den Namen des Teilnehmers angeben!

Reguläre Anmeldefrist ist der 01.04.2015. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 50 Personen begrenzt. Die Zulassung erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen.

Die Tagung wird als Kurs 4 oder 6 und als 1 Kongressbesuch der Weiterbildung zur Neuraltherapie nach Huneke anerkannt. Die Zertifizierung der Veranstaltung wird bei der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern beantragt. Die letzte Veranstaltung wurde im Rahmen der „Zertifizierung der ärztlichen Fortbildung“ mit insgesamt 12 Punkten zertifiziert.

Unterkunftsmöglichkeiten:

Hotel Kronprinz
Lange Str. 22
17489 Greifswald
Tel.: 03834/7900

Hotel Am Dom
Lange Str. 44
17489 Greifswald
Tel.: 03834/79750

Alter Speicher
Hotel & Restaurant
Rossmühlenstr. 25
17489 Greifswald
Tel.: 03834/77700

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Muskeltriggerpunkte als Ursache akuter oder chronischer Schmerzen des muskulo-skeletalen Systems

Von Dr. med. Gerd H. Dross | 5.Dezember 2013


Etwa 10 Prozent aller Erwachsenen leiden an „chronischen Schmerzen ohne erklärenden organischen Befund“, berichtet der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Prof. Dr. med. Joachim Bauer (1) unter Verweis auf ältere Studien. Vor dem Hintergrund stetig zunehmender stress- und lebensstilbedingter Erkrankungen könnte diese Zahl in Zukunft weiter zunehmen. „Jeder dritte Patient, der seinen Hausarzt wegen körperlicher Beschwerden aufsucht, verlässt die Praxis ‚ohne Befund‘“, meldete FOCUS-Online-Redakteurin Anna Vonhoff kürzlich (2). Es gilt allerdings auch: Nicht jedes zunächst unerklärliche Schmerzphänomen hat einen psychosomatischen Hintergrund. Leider gibt es auch organische Ursachen für akute oder chronische Schmerzen, die in der ärztlichen Diagnostik leicht übersehen werden. Wir erfahren in unserer Gemeinschaftsraxis wiederholt von Patienten mit chronischen Schmerzen, dass vorangegangene Behandlungen der Gelenke, Bänder und Bandscheiben keine Linderung erbracht haben. Die Schmerzen lassen erst dann nach, wenn aktivierte Muskeltriggerpunkte als hauptsächliche Schmerzauslöser erkannt und therapiert werden. Warum aber werden myofasziale Schmerzursachen so leicht übersehen? An einer schlechten Informationslage kann es nicht liegen, denn an neuen Veröffentlichungen und Büchern zu diesem Thema mangelt es nicht. Nur über das richtige und beste therapeutische Vorgehen besteht keine Einigkeit. Zahlreiche Behandlungsmethoden stehen zur Diskussion.
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Abbildung: Aktivierte Muskeltriggerpunkte können Ursache akuter oder chronischer Schmerzen des muskulo-skeletalen Systems sein.  – Foto: © adimas – Fotolia.com
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22. Bad Meinberger Woche: ärztliche Fortbildung in Neuraltherapie

Von Maik Huneke | 20.November 2013


Vom 20. bis 23. November 2013 findet die inzwischen schon 22. Bad Meinberger Woche statt, eine ärztliche Fortbildung der Internationalen medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie (IGNH). In diesem Jahr widmet sich die Veranstaltung den „Tipps und Tricks“ aus der neuraltherapeutischen Praxis. Mit welchen Herausforderungen werden Neuraltherapeuten im Praxisalltag konfrontiert, die weder Gegenstand von gängigen Lehrbüchern noch Inhalt von Kursen der IGNH sind? Worauf ist bei nicht alltäglichen Injektionen beispielsweise an Ganglien oder Gelenken zu achten? Das und noch viel mehr erfahren und erlernen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Fortbildung in lockerer familiärer Atmosphäre sowie in einer Kombination aus theoretischen Vorträgen und praktischen Kursen. Zum Kreis der diesjährigen Referenten gehören u. a. Prof. Dr. med. Lorenz Fischer, Dozent für Neuraltherapie an der Universität Bern, und Prof. Dr. Jürgen Giebel und Prof. Dr. med. Thomas Koppe, wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.
Ärztliche Fortbildung in Neuraltherapie
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Integrative Medizin an Universitäten der USA und gesundheitspolitische Impulse in Deutschland

Von Claus Fritzsche | 11.September 2013


Eine spannende gesundheitspolitische Quizfrage anlässlich der Bundestagswahl: Was hat das US-amerikanische Consortium of Academic Health Centers for Integrative Medicine mit der Kleinen Anfrage Nr. 17/14262 der SPD an die Bundesregierung zur Komplementärmedizin, mit dem Wunsch der grünen Gesundheitspolitikerin MdB Birgitt Bender nach einer stärkeren Förderung der Versorgungsforschung und mit dem Anstieg von chronischen Erkrankungen zu tun, für die inzwischen rund 70 Prozent der Gesundheitsausgaben anfallen? „Deutschland solle sich ein Beispiel an den USA nehmen, deren National Institute of Health die komplementärmedizinische Forschung mit mindestens 120 Millionen Dollar jährlich fördere“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen laut DAZ.online in einem Interview. – Wenn Ihnen die Antwort auf meine Frage nicht einfällt, dann könnte sich die Lektüre dieses Blogbeitrags für Sie lohnen. Es geht hier nämlich auch um „Ihre Gesundheit“ und darum, wie unser Gesundheitssystem bezahlbar bleibt. Beides ist eng mit der gesundheitspolitisch bedeutenden Frage verknüpft, wie wir zukünftig mit lang andauernden, chronischen Erkrankungen umgehen, die in hohem Maße durch Stress und Lebensstil beeinflusst werden. Der Lebensstil in einer überalternden Industriegesellschaft erfordert gänzlich andere gesundheitspolitische Antworten als nur bessere Pillen und Medizintechnik. Es benötigt qualifizierte Patienten, die sich krankheitsvermeidend und gesundheitsfördernd verhalten.
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Consortium of Academic Health Centers for Integrative Medizin
Abbildung: Universitätsnahe Zentren für Integrative Medizin sind in den USA weit verbreitet. In Deutschland wird hingegen noch gerätselt, was Integrative Medizin überhaupt ist. – Foto: © maglara – Fotolia.com
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Wenn emotionaler Stress krank macht. Procain-Reset: Ein Therapiekonzept zur Behandlung chronischer Erkrankungen.

Von Dr. med. J.D. Hahn-Godeffroy | 21.August 2013


Emotionen sind ein wichtiges „Wertungs- und Warnsystem“ des Menschen. In der Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens haben sie lange Zeit geholfen, Erfahrungen und Erinnerungen als „gut“ oder „schlecht“ für das Überleben zu markieren. Was in der Frühgeschichte des Menschen noch nützlich war, wird in der heutigen Gesellschaft immer häufiger zur Quelle von durch Stress ausgelösten chronischen Erkrankungen. Dazu zählen vor allem Stoffwechselerkrankungen. Neuerdings gehören immer öfter auch neurologisch-psychiatrische Erkrankungsbilder dazu: Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen und schließlich auch chronische Schmerzerkrankungen und vorzeitige Alterungsvorgänge. Wie sich Emotionen über das limbische System des Gehirns förderlich oder schädlich auf Körperfunktionen auswirken, ist dank neuester bildgebender Verfahren inzwischen schon recht gut erforscht. Erfreulich im Umkehrschluss: Das, was Menschen chronisch krank werden lässt, zeigt uns auch neue Wege zur Therapie und Heilung. In der neuraltherapeutischen Praxis ist – neben Segment-und Störfeldbehandlung – eine intravenöse Procain-Injektion von 1-2 ml Procain seit etwa 85 Jahren üblich, ein empirisches Vorgehen, das bislang ohne wissenschaftliche Begründung war. Dass Procain an einer ganz bestimmten Stelle des Gehirns wirksam wird, nämlich am limbischen System, ist nun durch neueste bildgebende Verfahren nachzuweisen. Bei dem limbischen System handelt es sich um jene Funktionseinheit des Gehirns, die entscheidend an der Umwandlung von Stress in Körperreaktionen beteiligt ist.

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Aktuelle Übersicht zur Neuraltherapie-Forschung von Stefan Weinschenk und fünf beforschte Indikations-Gruppen

Von Claus Fritzsche | 25.Juli 2013


Sprechen Wissenschaftler von einem Review oder einer systematischen Übersichtsarbeit, dann meinen sie damit eine wissenschaftliche Veröffentlichung, die den Forschungsstand zu einem Thema zusammenfasst. Das Journal „Acupuncture and Related Therapies“ (ART) veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Review von Dr. med. Stefan Weinschenk (1) zum therapeutischen Einsatz von Lokalanästhetika, welches speziell medizinische Fachkreise anspricht. Neuraltherapeuten und an der Neuraltherapie (NT) interessierte Ärztinnen und Ärzte erfahren hier, welche NT-Indikationen mit welchen Ergebnissen bisher erforscht wurden. Dr. Weinschenk untersuchte den Forschungsstand in insgesamt fünf Indikationsgruppen: akute und chronische Schmerzen, funktionelle Syndrome bzw. Beschwerden ohne organische Ursache, das vegetative bzw. autonome Nervensystem betreffende Systemerkrankungenchronische Entzündungen und weitere Erkrankungen. Der besondere Reiz dieser Übersichtsarbeit: Weil NT-Forschung fast ausschließlich „praxis-getrieben“ ist, zeigen Forschungsaktivitäten oftmals, bei welchen Indikationen in der Praxis therapeutische Erfolge beobachtet werden. Frei nach David Sackett, dem Vater der evidenzbasierten Medizin, repräsentieren diese nicht selten die individuelle klinische Expertise bzw. interne Evidenz vieler Einzelfälle.
Abbildung: „Neural therapy – A review of the therapeutic use of local anesthetics“, eine systematische Übersichtsarbeit von Dr. med. Stefan Weinschenk im Journal „Acupuncture and Related Therapies“
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Verleihung der Huneke-Medaille 2013 an die Münchner Ärztin Imke Plischko

Von Dr. med. I. Hagen Huneke | 4.Juni 2013


Am 2. März, anlässlich des 124. ZAEN-Kongresses, wurde der Münchner Ärztin Imke Plischko die Huneke-Medaille für besondere Verdienste um die Verbreitung der Neuraltherapie verliehen. Was der Oscar für Schauspieler ist oder der Henri Nannen Preis für Journalisten in Deutschland, das ist die Huneke-Medaille für Ärztinnen und Ärzte der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie (IGNH). Seit 1969 werden mit der Huneke-Medaille Persönlichkeiten geehrt, die sich durch Forschung, Fachpublikationen, Verbandsarbeit oder Wissenschaftskommunikation rund um die Neuraltherapie in besonderer Weise verdient gemacht haben. Imke Plischko, die auch dieses Blog herausgibt, wurde für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt, im Rahmen dessen sie Patienten, Laien und Öffentlichkeit mithilfe neuer Medien fachlich qualifiziert und professionell über die Neuraltherapie informiert.

Abbildung: Imke Plischko in ihrer Münchner Praxis.mehr …
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Kontraindikationen der Neuraltherapie: Wann ist der therapeutische Einsatz von Lokalanästhetika NICHT sinnvoll?

Von Dr. med. Stefan Weinschenk | 29.April 2013


Auch sehr effektive, sichere und nebenwirkungsarme Therapien können unter bestimmten Bedingungen wirkungslos oder sogar schädlich sein. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von Kontraindikationen bzw. einer Gegenanzeige. Das DocCheck Flexikon schreibt hierzu: „Eine Kontraindikation ist ein Faktor (z. B. Alter, bestimmte Vorerkrankungen, Verletzungen etc., aber auch Zustände wie z.B. Schwangerschaft), der gegen eine bestimmte diagnostische oder therapeutische Maßnahme (z. B. die Verabreichung eines Medikaments) spricht. Wird eine Kontraindikation ignoriert, kann daraus die Schädigung eines (Organ-) Systems oder die Verschlechterung einer bestehenden Grunderkrankung resultieren.“ Kontraindikationen gibt es auch für den therapeutischen Einsatz von Lokalanästhetika, wie er in der Neuraltherapie praktiziert wird. Der folgende Beitrag soll Patienten helfen, die Kontraindikationen der Neuraltherapie besser zu verstehen. Er basiert im Wesentlichen auf Inhalten des „Handbuchs Neuraltherapie (URBAN & FISCHER).


Abbildung: Das Kapitel 6.4 des „Handbuchs Neuraltherapie“ fasst absolute, relative und „Nicht“-Indikationen der Neuraltherapie für medizinische Fachkreise zusammen.
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Schwere Vorwürfe gegen Markus Grill. Wiki-Watch Co-Initiator wirft SPIEGEL-Redakteur Medienmanipulation vor.

Von Neuraltherapie.Blog | 18.März 2013

Ein fast zweijähriger Rechtsstreit zwischen SPIEGEL-Verlag und dem Journalisten Jobst Spengemann nähert sich seinem Ende und könnte für SPIEGEL-Redakteur Markus Grill weitreichende berufliche Konsequenzen haben. Anlass ist eine Frontal21-Sendung vom 18.01.2011, gemäß der zwei Pharma-Händler versuchten, einen sie belastenden Kronzeugen unschädlich zu machen und die mit der vorübergehenden Verhaftung eines der beiden Pharma-Händler wegen Verdunkelungsgefahr endete (1). Markus Grill verfasste anschließend den SPIEGEL-Artikel „Mal PR-Agent, mal Reporter“ (2), in dem er behauptete: „ … inzwischen gibt es Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Autors, Jobst Spengemann. Denn der … hat früher selbst ähnliche Kampagnen gegen Pharmakritiker mit geplant.“ Diese groteske und schwer rufschädigende Tatsachenbehauptung hat einer fast zweijährigen gerichtlichen Prüfung bisher nicht standgehalten. Verkündet das Kammergericht Berlin am 22. April 2013 nun ein Urteil, welches dem entspricht, was es in seiner letzten Sitzung am 25.02.2013 schon angedeutet hat, so wird dies Einfluss auf Grills berufliche Zukunft haben. Denn es gibt weitere schwere Vorwürfe, zu denen der SPIEGEL-Redakteur Rede und Antwort stehen muss. Der langjährige Journalist Prof. Wolfgang Stock wirft Markus Grill vor, „politische Kampagnen … und private Rachefeldzüge“ durchzuführen (3).x

Abbildung: Abspann eines Frontal21-Beitrags von Christian Esser und Jobst Spengemann, gesendet am 18.01.2011.
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Chronische Entzündungen und moderne Zivilisationskrankheiten. Interview mit Chefärztin Dr. Dr. med. Petja Piehler. (→„silent inflammation“)

Von Claus Fritzsche | 15.Februar 2013

Chronische Entzündungen geraten immer stärker in den Fokus der modernen Medizin. Das Journal „Nature“ widmete ihnen 2008 die Beilage „Inflammation“. Viele Zivilisationskrankheiten gehen einher mit chronisch entzündlichen Prozessen. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von einer multifaktoriellen Genese der Krankheitsentstehung. Nicht eine einzige Ursache sondern viele Einflussfaktoren können Erkrankungen auslösen und am Leben erhalten. Wer nicht nur Symptome unterdrücken und stattdessen die körpereigene Selbstheilung stimulieren will, der tut gut daran, die Vielzahl der pathogenen Faktoren auch therapeutisch zu berücksichtigen. Sogenannte inflammatorische Prozesse (Entzündungen) scheinen in diesem Zusammenhang eine übergeordnete Rolle zu spielen und mit ihnen Maßnahmen, die Entzündungen vorbeugen und sie therapieren. Dr. Dr. med. Petja Piehler, Chefärztin Innere Medizin an der RoMed Klinik Wasserburg am Inn, erläutert im folgenden Interview, warum das Wissen um entzündliche Prozesse für uns alle sehr wichtig sein kann und warum es einem therapeutischen Konzept – der Neuraltherapie – zu wachsender Bedeutung verhilft.

Foto: CRP ist ein Indikator für Entzündungen. Subklinische chronische Entzündungen lassen sich mittels Neuraltherapie (NT) schonend und nachhaltig hemmen. - Foto: © DOC RABE Media – Fotolia.com
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Wie objektiv ist die Bewertung medizinischer Therapieverfahren? „Medizin ist keine exakte Wissenschaft“, sagt MdB Birgitt Bender. (→ Teil 2)

Von Claus Fritzsche | 8.Januar 2013

Ob medizinische Therapieverfahren in die Regelversorgung aufgenommen und damit von Krankenkassen bezahlt werden, das hängt von vielen Faktoren ab, nicht allein von ihrem Nutzen und der Studienlage. Anders als bei der Zulassung eines Autos durch den TÜV gibt es in der Medizin Ermessensspielräume, die auch durch politische, paradigmatische und wirtschaftliche Faktoren beeinflusst werden können. „Medizin ist keine exakte Wissenschaft“, sagt MdB Biggi Bender von den Grünen (1) daher auch mit Fug und Recht. Im ersten Teil dieser Kurzserie habe ich erläutert, wie sich die Bewertungskriterien der Medizin in den letzten 100 Jahren verändert haben und warum es selbst heute keine „Evidenz für die Evidenzkriterien“ gibt. Die in der Kritik stehenden sehr starren Evidenz-Hierarchien sind sozial verhandelte Bewertungsmaßstäbe. „Wer hier die Nase vorne hat, entscheidet damit auch, was als evidenzbasiert anerkannt wird“, sagt Prof. Dr. Stefan Schmidt (2). In diesem Beitrag zeige ich nun anhand konkreter Beispiele, wie fragwürdig manche Bewertungen medizinischer Therapieverfahren sein können und warum die Öffentlichkeit gut beraten ist, wenn sie Empfehlungen oder Entscheidungen von Bewertungsinstanzen wie z. B. IQWiG oder G-BA konstruktiv kritisch hinterfragt.

Abbildung: Politische und wissenschaftliche Gremien prüfen und bewerten die Sicherheit, Wirksamkeit und den Nutzen (zunehmend auch die Wirtschaftlichkeit) von medizinischen Therapieverfahren. Im Idealfall geschieht dies zum Wohl der Bevölkerung.
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Zur Arzneimittelsicherheit von Procain in der Neuraltherapie

Von Dr. med. J.D. Hahn-Godeffroy | 8.Dezember 2012


„Bei guter Kenntnis der Anatomie, der Injektionstechniken und bei Einhaltung der Höchstdosen handelt es sich um eine äußerst risikoarme Therapieform“, schreibt das Klinikum Essen-Mitte auf seiner Website zur Neuraltherapie mit Procain. Dabei ist unterstellt: reines Procain, keine „Mischspritzen“, keine Konservierungsstoffe. In der Schweiz ist die Neuraltherapie mit Procain seit 1. Juli 2011 Teil der von den Krankenkassen anerkannten Leistungen im Rahmen der medizinischen Grundversorgung. Das ist ein nachhaltiger Beleg für die Sicherheit der Neuraltherapie, die in der Schweiz hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Nebenwirkungsarmut umfassend evaluiert wurde (1). Es wird höchste Zeit, mit Procain-Legenden aufzuräumen, die sich auf Beipack-Zetteln sowie im Internet hartnäckig halten, wie sich zeigen wird, ohne Substanz.

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Tendenziös: Werner Bartens und das Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung. Mehr Qualität ist möglich!

Von Claus Fritzsche | 13.Oktober 2012


Wo gehobelt wird, fallen Späne. Veröffentlichen Tageszeitungen täglich hunderte neuer Artikel, Berichte, Kommentare etc., dann schleicht sich früher oder später auch einmal der Fehlerteufel ein. Das ist in Ordnung. Einen Anlass zu Kritik gibt es erst dann, wenn sich Fehler auffällig häufen oder Darstellungen wiederholt tendenziös sind. Im Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung, seit 2008 unter der redaktionellen Leitung von Werner Bartens, ist dies meines Erachtens seit geraumer Zeit der Fall. Das Problem: Der Glanz, den Werner Bartens als preisgekrönter Journalist und Bestseller-Autor verbreitet, und der in vielen Jahrzehnten aufgebaute gute Ruf der Süddeutschen Zeitung lenken davon ab, dass es im Wissenschaftsressort handfeste und belegbare Qualitätsprobleme gibt. Für meinen Geschmack veröffentlicht SZ Wissen zu viele „inszenierte Geschichtchen“ von Journalisten, die ein starkes Sendungsbewusstsein haben, es mit den Fakten und dem Kleingedruckten jedoch nicht so genau nehmen. Als Ursache sehe ich die Nähe des Ressorts zur Ideologie der „Skeptikerbewegung“, einer naiv szientistisch ausgerichteten Gruppierung atheistischer Fundamentalisten. Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

Eine Inszenierung kann trockene Zahlen, Daten, Fakten spannend präsentieren … oder aber verzerren und den Sinn entstellen.
Foto: © adimas – Fotolia.com

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Forschungslage Neuraltherapie: Interview mit Prof. Dr. med. Lorenz Fischer von der Universität Bern.

Von Neuraltherapie.Blog | 21.August 2012

Was motiviert einen Allgemeinmediziner, seine Praxis ausschließlich auf die Schmerz- und Neuraltherapie zu spezialisieren? „Mich fasziniert, wie sich über den Weg der Neuraltherapie die Neurophysiologie des Schmerzes weiter erforschen und erklären lässt und mit wie wenig Aufwand und praktisch ohne Nebenwirkungen oft lang anhaltende therapeutische Effekte erreicht werden können.“ Diese Worte stammen von Prof. Dr. med. Lorenz Fischer, der neben seiner Praxis die Neuraltherapie an der Universität Bern in einer Teilzeit-Dozentur lehrt und erforscht. Im folgenden Interview erläutert Prof. Fischer, welche Teile der Neuraltherapie Bestandteil der konventionellen Medizin sind und welche Teile zur Komplementärmedizin gehören.

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Wie objektiv ist die Bewertung medizinischer Therapieverfahren? „Medizin ist keine exakte Wissenschaft“, sagt MdB Birgitt Bender. (→ Teil 1)

Von Claus Fritzsche | 8.August 2012


Das Schweizer Eidgenössische Departement des Innern (EDI) veröffentlichte 2011 eine Nachricht (1), über die sich viele Patienten und Neuraltherapeuten sehr gefreut haben: „Die Schmerzbehandlung mittels Injektionen von Lokalanästhetika (sog. lokale und segmentale Neuraltherapie) wurde im Rahmen der Anträge der Komplementärmedizin als unbestrittene, nicht zur Komplementärmedizin zugehörige Leistung beurteilt, deren Kosten zu übernehmen sind“. Was wissenschaftliche und politische Instanzen der Schweiz hier entschieden haben, ist derzeit in Deutschland nicht zu erwarten. Warum? Weil die Aufnahme von Therapieverfahren in die Regelversorgung von vielen Faktoren abhängt, nicht allein von der Studienlage. Anders als bei der Zulassung eines Autos durch den TÜV gibt es in der Medizin Ermessensspielräume, die auch durch politische, paradigmatische und wirtschaftliche Faktoren beeinflusst werden. „Medizin ist keine exakte Wissenschaft“, sagt MdB Biggi Bender von den Grünen (2) und trifft den Nagel auf den Kopf.

Abbildung: Politische und wissenschaftliche Gremien prüfen und bewerten die Sicherheit, Wirksamkeit und den Nutzen (zunehmend auch die Wirtschaftlichkeit) von medizinischen Therapieverfahren. Im Idealfall geschieht dies zum Wohl der Bevölkerung.
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