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Schweinegrippe-Impfung: DZVhÄ-Interview mit Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber des arznei-telegramms

Von Neuraltherapie.Blog | 21.Januar 2010

Gott sei Dank: Der Medienhype um das H1N1-Virus hat sich inzwischen gelegt. 90 Prozent der Bundesbürger haben sich gegen eine Impfung entschieden. Glaubt man den Aussagen von Experten wie z. B. dem Epidemiologe Tom Jefferson (→ SPIEGEL: Sehnsucht nach der Pandemie) oder Dr. Angela Spelsberg (→ STERN: Wie unabhängig sind die Experten?), so gibt es gute Gründe, den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) nicht blind zu folgen. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) hat die Kontroverse in einem Sonderthema Schweinegrippe nochmals ausführlich aufgearbeitet. Das DZVhÄ-Interview mit Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber des arznei-telegramms, geben wir an dieser Stelle als Reprint wieder.

„Wer die Impfung als gut verträglich bezeichnet, verbreitet Desinformation“



Herr Becker-Brüser, Sie sind Arzt, Apotheker und Herausgeber des arznei-telegramms® , das seit rund 40 Jahren über Risiken und Nutzen von Arzneimitteln informiert und unter Medizinjournalisten als unabhängig gilt. Sie haben viel Erfahrung mit der Auswahl und Gewichtung von Informationen zu Impfstoffen. Als Medienmacher besitzen Sie darüber hinaus eine Sensibilität für die öffentliche Debatte zur Schweinegrippe-Impfung:

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Welche Informationen benötigen die Bürger Ihrer Meinung nach für ihre Impfentscheidung?

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Wolfgang Becker-Brüser: Um sich für oder gegen die Impfung gegen die Schweinegrippe entscheiden zu können, sollte man wissen, wie harmlos oder bedrohlich die Schweinegrippe tatsächlich ist und wie gut der Impfstoff vor der Infektion und schweren Folgeerkrankungen schützt. Außerdem ist wichtig, wie gut oder schlecht verträglich der Impfstoff ist. Dabei muss klar gemacht werden, was wir dazu tatsächlich wissen, was wahrscheinlich ist und was pure Spekulation. Wenn beispielsweise behauptet wird, dass im Winter eine aggressive neue Infektionswelle mit 10.000 oder 20.000 Toten droht, halte ich dies für Panikmache ohne fundierten Hintergrund. Aus Ländern der südlichen Halbkugel, beispielsweise aus Australien oder Neuseeland, wo die Schweinegrippe bereits zusammen mit der Wintergrippe aufgetreten ist, hören wir deutliche Entwarnung: Keine Panik, die Zahl der Todesopfer, die der Grippe insgesamt angelastet worden ist, lagen deutlich unter denen der Jahre zuvor, als es die Schweinegrippe noch nicht gab. Und wer den Impfstoff PANDEMRIX, der jetzt zur Massenimpfung verwendet wird, als „gut verträglich” bezeichnet, verbreitet Desinformation. Die veröffentlichten Studien und der öffentlich zugängliche Zulassungsbericht der europäischen Arzneimittelbehörde beschreiben, wie schlecht verträglich der Impfstoff tatsächlich ist.

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Der Impfstoff PANDEMRIX steht in der Kritik. Zu Recht?

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Wolfgang Becker-Brüser: PANDEMRIX enthält eine Wirkverstärkeremulsion, die nicht nur die erwünschte Wirkung, sondern auch die unerwünschten Wirkungen verstärkt. In einer der Zulassungsstudien verursacht Wirkverstärker-Impfstoff beispielsweise zu 90% Schmerzen bei der Injektion, ein Vergleichsimpfstoff ohne Wirkverstärker zu 42%, Gelenkschmerzen zu 28% statt 8%, Muskelschmerzen zu 39% statt 12% und Schüttelfrost zu 20% statt 4%. Das sind gewaltige Verträglichkeitsunterschiede, die den Menschen für ihre Impfentscheidung mitgeteilt werden müssen. Zudem ist nicht auszuschließen, dass auch die seltenen bedrohlichen Effekte, die mit einer Impfung in Verbindung gebracht werden, wie Guillain-Barré-Syndrom, ebenfalls häufiger auftreten können. Dabei sind Wirkverstärker in Schweinegrippeimpfstoffen schlichtweg überflüssig. In den USA gibt es fünf Impfstoffe gegen Schweinegrippe, alle sind – wie hierzulande die üblichen Impfstoffe gegen Wintergrippe – konventionell auf Hühnereiern hergestellt und enthalten keine Wirkverstärker.

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PANDEMRIX beinhaltet Wirkverstärker (Adjuvanzien), darunter auch Squalen, das in unterschiedlichen Untersuchungen als Auslöser des „Golfkrieg-Syndroms“ bei geimpften US-Soldaten diskutiert wurde und in den USA heute nicht mehr verwendet werden darf. Geht Ihrer Meinung nach von Squalen eine konkrete Gefahr aus?

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Wolfgang Becker-Brüser: Squalen ist eine ölige Substanz, die in Pflanzen und Tieren vorkommt. In den Wirkverstärkern ist Squalen aber nicht in seiner natürlichen öligen Form enthalten, sondern als Emulsion, mit dem polymerisationschemisch hergestellten Polysorbat 80 als Emulgator. Ich betone dies, weil die Wirkverstärker vom Paul-Ehrlich-Institut als “Bioverstärker” verharmlost wurden. Zum so genannten Golfkriegssyndrom dürften mehrere Ursachen beigetragen haben. Nach Bewertung der vorliegenden Daten sehen wir aber keine Belege dafür, dass der in PANDEMRIX enthaltene Wirkverstärkerbestandteil Squalen dieses Syndrom ausgelöst hat. Bei der häufig zitierten Arbeit, wonach 95% von 38 erkrankten Golfkriegsveteranen Squalenantikörper haben sollen, wurden die Daten mit einem von der Forschergruppe selbst entwickelten unzureichend validierten Antikörpertest erhoben, bei dem unklar bleibt, was er eigentlich misst.

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Wie bewerten Sie die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission und des Paul-Ehrlich-Instituts?

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Wolfgang Becker-Brüser: Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat in ihren Empfehlungen deutlich gemacht, dass PANDEMRIX – und auch der zweite verwendete, auf Säugetierzelllinien gezüchtete Ganzvirusimpfstoff CELVAPAN – nicht für Schwangere geeignet ist. Absurderweise vermitteln das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert Koch-Institut das Gegenteil: Der Impsftoff könne bei individueller Nutzen-Schaden-Abwägung verwendet werden. Eine Datenbasis für diese Empfehlung existiert nicht. Auch für chronisch Kranke und Kinder gibt es keine bzw. nur unzureichende Daten zur Sicherheit des Impfstoffs.

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Wie beurteilen Sie das Verhalten der Bundesregierung in Sachen Schweinegrippe und ihren Willen, 35 Millionen Bundesbürger impfen zu lassen?

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Wolfgang Becker-Brüser: Der Impfstoff ist vor zwei Jahren mit Verträgen, die Geheimhaltungsklauseln beinhalten, bestellt worden. Eine Kontrolle durch externe Experten fehlte. Auch fehlten Sollbruchstellen in dem Vertrag, dass in bestimmten Abständen überprüft wird, ob die vorgesehenen Maßnahmen der Entwicklung der Pandemie angemessen sind. Die Vertragsbedingungen begünstigen die Interessen der Hersteller und nicht die der Verbraucher. Der deklarierte Preis von 6 Euro für den Wirkverstärker und 1 Euro für das Antigen ist abstrus. Das empfinde ich als Abzockerei. Die Vertragsabwicklung halte ich für unprofessionell. Geheimverträge über die Lieferung von Arzneimitteln, die der Gesundheit der Bevölkerung dienen sollen und die eine halbe Milliarde Euro kosten, darf es nicht geben.

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Was halten Sie von der Berichterstattung über die Schweinegrippe in den letzten Wochen? Gibt es Fakten, die Sie in der Debatte vermissen?

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Wolfgang Becker-Brüser: Völlig unangemessen finde ich, dass jeder Tote, der der Schweinegrippe zugerechnet wird, in den Medien zur Schlagzeile wird. Dadurch entsteht ein Gefühl der Bedrohlichkeit. Und es werden Emotionen geschürt, die eine sachliche Abwägung der Situation behindern. Nur zum Vergleich: Jeden Winter sollen in Deutschland an der saisonalen Grippe 5.000 bis 12.000 Menschen sterben. Stimmen diese Zahlen, wären das in der Wintersaison pro Tag etwa 70 Tote an der “normalen” Wintergrippe.

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Was birgt Ihrem Kenntnisstand nach das höhere gesundheitliche Risiko: der Schweinegrippe-Virus oder die Impfung dagegen?

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Wolfgang Becker-Brüser: Das lässt sich seriös nicht gegeneinander abwägen. Die Schweinegrippe verläuft nach wie vor milde, die Risiken der Pandemie werden überschätzt. In Bezug auf die Impfung hoffe ich, dass die unerwünschten Wirkungen im Rahmen bleiben. Aber auch hier wird man sich mit Todesfällen und Auftreten von Guillain-Barré-Syndrom, die der Impfung angelastet werden, auseinandersetzen müssen. Fest steht jedoch, dass die falschen Impfstoffe eingekauft worden sind. Wir hätten viel weniger Probleme, wenn konventionell auf Hühnerei gezüchtete Impfstoffe ohne Wirkverstärker bestellt worden wären, also der Typ Impfstoff, der jetzt – viel zu spät – in geringer Menge aus australischen Restbeständen für Schwangere besorgt wird.

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Haben Sie sich bereits oder werden Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen?

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Wolfgang Becker-Brüser: Ich erachte die Nutzen-Schaden-Abwägung für den derzeit erhältlichen Impfstoff für so ungünstig, dass ich mich nicht gegen Schweinegrippe impfen lasse.

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Copyright: Übernahme des Interviews mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ)

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Links zum Thema:

DZVhÄ: Sonderthema Schweinegrippe auf der Homepage des DZVhÄ

Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.: Die Impfung gegen „Schweine-Grippe“ – Nutzen bisher nur für die Impfstoffhersteller belegt

H.Blog: Schweinegrippe-Impfung: DZVhÄ-Interview mit Dr. Steffen Rabe, Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.

H.Blog: Schweinegrippe H1N1: Transparency International Deutschland kritisiert Ständige Impfkommission (STIKO)

tagesschau.de: Warnung vor Schweinegrippe-Impfung – „Großversuch an der deutschen Bevölkerung“

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2 Kommentare to “Schweinegrippe-Impfung: DZVhÄ-Interview mit Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber des arznei-telegramms”

  1. Rainer Kumm schreibt:
    24th.Februar 2010 um 19:50

    Als Arzneitelegramm Abonnent weiss ich um H1N1 und die Kontroverse um Tamiflu schon recht lange, was mich wundert ist nur warum das JETZT NACH der Regierungsentscheidung international gross publiziert wird, z.B. British Medical Journal.

    Neulich gab es eine Radiosendung ich glaube auf Deutsche Welle FM oder war es Deutschlandsender wonach wesentliche Personen in der WHO mit Pharmakonzernen liiert sein sollen

  2. Karl schreibt:
    7th.Januar 2011 um 12:06

    Bei der neuen Influenza-Impfung für 2011 ist die passende Anti-Schweinegrippeimpfung gleich integriert. Alle Schwangeren, das ist neu, sollten sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel impfen lassen, so meint die ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Begründung wird das damit, dass Schwangere im Vergleich zu Nichtschwangeren ein etwa sechsfach erhöhtes Risiko haben, im Krankenhaus behandelt zu werden. (Kommt das nicht zum Teil vieelcht auch daher, dass sie als Schwangere sowieso mehr direkt mit Ärzten zu tun haben?) Dieser Umstand reicht für einen Rundumschlagmeldung: “Impfung für alle Schwangere”.
    Bei allen Betroffenheit in Einzelfällen, die zum Tod führen, erscheint mir der Druck, sich impfen zu lassen, immer noch übertrieben und bleibt der Eindruck, dass sich hier Impfungsexperten und wirtschaftlich motivierte “Botschafter” verrennen.

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