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Atopie-Therapie: Neuraltherapie auf dem 3. Europäischen Kongress für Integrative Medizin (ECIM) → Neuroimmunologie

Von Neuraltherapie.Blog | 6.Dezember 2010

Am vergangenen Wochenende fand zum dritten Mal der Europäische Kongress für Integrative Medizin (ECIM) in Berlin statt und etablierte sich damit als internationale Brücke zwischen Schul- und Komplementärmedizin. Mehr als 600 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete, Ärzte, Kostenträger sowie Gesundheitspolitiker aus 26 Ländern diskutierten 2009 die Zukunft optimaler Patientenversorgung, die durch einen weiteren Ausbau der Integrativen Medizin entscheidend verbessert werden kann. 2010 erwarteten die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Stefan N. Willich, Prof. Dr. Benno Brinkhaus und Dr. Peter Fisher rund 700 Fachbesucher. Unter den Teilnehmern war auch der Friedensnobelpreisträger und Träger des Alternativen Nobelpreises, der Quantenphysiker Professor Hans-Peter Dürr. Dr. phil. Barbara Doll und Dr. med. Hans Barop widmeten sich am 4. Dezember dem spannenden Thema: Atopie in der Neuraltherapie. Der neuroimmunologische Zugang. Hier ging es um einen effektiven Therapieansatz zur Behandlung von allergischen Erkrankungen.


Das European Journal of lntegrative Medicine (EuJIM) versteht lntegrative Medizin als Bindeglied zwischen konventioneller Medizin und evidenzbasierter Komplementärmedizin. | mehr …

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Was ist Integrative Medizin?

Integrative Medizin bedeutet Kooperation von Schulmedizin und Komplementärmedizin.  In einem hörenswerten Podcast erläuterte Jan Schweitzer, Chefredakteur des Magazins ZeitWissen, vor einiger Zeit, was genau mit Integrativer Medizin gemeint ist:

„Zwischen Alternativ- und Schulmedizinern herrschen seit Jahrzehnten fast kriegsähnliche Zustände. Die einen preisen ihre Methoden mit Anekdoten über geheilte Patienten, die anderen halten die Alternativmedizin für Quacksalberei und Betrug. Nun nähern sich beide Seiten an – zum Wohle der Patienten.“

Der Podcast kann über die Seite „Die Heilkraft der Alternativmedizin“ (ZEITWissen, 09.03.2010) erreicht werden. Er gibt Auskunft darüber, „was die Naturheilkunde die Schulmedizin noch lehren kann und wie Patienten davon profitieren.“ In Deutschland haben 60.000 Ärztinnen und Ärzte eine komplementärmedizinische Weiter- oder Ausbildung in CAM-Therapien wie z. B. Naturheilverfahren, Homöopathie, Akupunktur oder in Neuraltherapie und Chirotherapie absolviert. Sie praktizieren Integrative Medizin schon seit vielen Jahren erfolgreich und in friedlicher Koexistenz mit der konventionellen Medizin. Neu ist das zunehmende Bemühen, die hierfür notwendigen wissenschaftlichen Studien zu erstellen und bereit zu halten. Seit 2008 publizieren Spitzenforscher wissenschaftliche Arbeiten im European Journal of lntegrative Medicine (EuJIM), welches seine Ziele wie folgend beschreibt:

„The European Journal of lntegrative Medicine (EuJIM) understands lntegrative Medicine as the link between conventional medicine and evidence based complementary and alternative medicine (CAM). To strengthen the understanding and cooperation between these polarised fields is the major target of this Journal. Therefore, it has the aim to connect medical researchers and clinicians as well as members of other medical professions and health care organisations, who seeks objective and critical information on lntegrative Medicine in order to deepen their understanding of these approaches. lntegrative Medicine will provide the basis for best possible comprehensive patient care.“

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Evidenzbasierte Komplementärmedizin

Prof. Dr. Stefan N. Willich, Chefredakteur des European Journal of Integrative Medicine, versteht unter Integrativer Medizin den Brückenschlag zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin. Die von ihm gegründete Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin (CHAMP) kombiniert Methoden der Schulmedizin mit etablierten Verfahren wie Naturheilkunde, Chinesischer Medizin (z. B. Akupunktur) und Homöopathie zu einer modernen, umfassenden und individuellen Medizin. Auch die Neuraltherapie soll demnächst in der CHAMP praktiziert und erforscht werden (→ Interview mit Dr. med. Hans Barop). Ziel ist es, die individuell beste Therapie für den Patienten zu finden und Nebenwirkungen soweit wie möglich zu reduzieren. Dabei gilt das Prinzip „Weitere Forschung ist die Basis für Integration in die Versorgung“. Forschung und wissenschaftliche Arbeiten bestimmen, welche komplementärmedizinischen Präventions- und Therapieverfahren zum Einsatz kommen und welche nicht.

Die Studienlage zur Neuraltherapie wurde übrigens 2005 im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) der Schweiz erstmals systematisch in einem HTA-Bericht zusammengefasst (→ Interview mit Dr. med. Hahn-Godeffroy). Eine Aktualisierung dieses HTA-Berichts wird demnächst publiziert.

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IM-Kritik von Prof. Harald Walach

Weil Schulmedizin und Komplementärmedizin neben unterschiedlichen Methoden auch fundamental gegensätzliche Paradigmen repräsentieren, ist das Konzept der Integrativen Medizin nicht unumstritten. Prof. Harald Walach betonte kürzlich in der Forschenden Komplementärmedizin, dass nicht Integration und stattdessen eine Auseinandersetzung mit bestehenden Unterschieden erforderlich sei. Die seit Descartes in der Medizin übliche Betrachtung des menschlichen Köpers als standardisierte und mechanistische (Bio-) Maschine hat uns laut Harald Walach, Professor für Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde in Frankfurt Oder, wertvolle Einsichten über die Funktionsweise des Köpers vermittelt. Das Maschinenparadigma war jedoch zur Behandlung von Störungen nur begrenzt erfolgreich:

„Zweifelsohne ist es sehr erfolgreich in der Akutversorgung, in der Notfallmedizin, Chirurgie und Hygiene. In anderen Bereichen, vor allem wenn es um chronisch funktionelle Störungen oder chronisch degenerative Erkrankungen geht, beeindruckt mich der so genannte „medizinische Fortschritt“ nicht im Geringsten. Da könnte vermutlich die konventionelle Medizin mehr von den traditionellen Medizinsystemen lernen als umgekehrt.“

(→ Prof. Harald Walach und das Problem mit der „Integrativen Medizin“)

Rund 40 Prozent aller Bundesbürger leiden inzwischen an chronischen Erkrankungen wie z. B. Hypertonie, Herzkrankheiten, Diabetes Mellitus, Arthritiden, Asthma Bronchiale oder Depressionen. Weil die moderne Medizin chronisch kranken Patienten in der Regel keine kurativen Therapiemöglichkeiten anbieten kann, suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Lebensqualität zu steigern und finden diese mit steigender Tendenz im Bereich der CAM-Therapien. Warum die moderne Medizin z. B. von traditionellen Medizinsystemen lernen kann, das erläutert Walach am Beispiel Serotonin und Depressionen. Dem Maschinenparadigma folgend, versucht die moderne Medizin Depressionen z. B. durch Gabe von Serotonin zu lindern. CAM-Therapien stellen im Gegensatz dazu nicht den Körper und stattdessen den Menschen in den Mittelpunkt. Dabei finden sie heraus, dass es für das gleiche Symptom unterschiedliche Ursachen und Heilungsansätze geben kann. Walach erläutert diese Herangehensweise im Kontext Depression wie folgend:

„Weil man zu wissen meint, dass bei Depressionen Serotonin nicht immer so wie nötig im Gehirn verfügbar ist, versucht man, es über verschiedene Maßnahmen bereitzustellen. Das funktioniert bei einer erklecklichen Zahl von Patienten. Bei sehr vielen funktioniert es aber überhaupt nicht. Und bei einer nicht unerheblichen Zahl funktioniert es nur mit deutlichen Nebenwirkungen [2]. Eine patientenzentrierte Versorgung würde eben genau nicht vom Wissen über allgemeine Zusammenhänge ausgehen, die dann auf den Einzelfall zurechtgestutzt werden, sondern sie würde radikal beim Patienten ansetzen.

In diesem Falle „wissen“ wir zunächst eben gar nichts, sondern die Patientin ist Expertin ihrer Krankheit. Dann kann eine Depression im einen Falle vielleicht wirklich eine Serotoninmangelstörung sein; im anderen Falle Resultat einer Fehlernährung, auf einen Mangel an Omega-3-Fettsäuren zurückzuführen und entsprechend leicht mit diätetischen Maßnahmen behebbar sein; in wieder einem anderen Falle vielleicht Ergebnis einer toxischen Überlastung; oder Ausdruck einer tiefen existenziell-spirituellen Krise, die überhaupt nicht medizinisch anzugehen ist; oder vielleicht sogar einer sozial-politischen Konstellation von Armut und Machtlosigkeit geschuldet, deren Lösung nur sozial erfolgen kann; und so weiter.“

Dass die Komplementärmedizin ebenso von der modernen Medizin lernen kann, erläuterte Dr. Bettina Berger kürzlich in einem Interview. Im Umgang mit chronischen Erkrankungen denkt die Schulmedizin derzeit um und forciert Patientenschulungen und Maßnahmen zur Steigerung der Patientenkompetenz. Von den Pionieren dieser neuen medizinischen Bewegung kann die (oftmals paternalistisch orientierte) Komplementärmedizin eine Menge lernen, sodass die Idee des Brückenbaus und der Integration durchaus Sinn macht. Beide Seiten können voneinander lernen.

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ECIM: Kongress-Thema „Neuraltherapie“

Den Schwerpunkt des diesjährigen 3. Europäischen Kongresses für Integrative Medizin (ECIM) bildeten die Themen Krebs, Schmerz, Psychiatrische Erkrankungen, Atopische Erkrankungen, Arzt-/ Patientenbeziehung und Placebo, Primary Care (d. h. medizinische Grundversorgung) sowie Aus- und Weiterbildung. Das folgende Abstract beschreibt den Inhalt eines Workshops, in dem es um neue therapeutische Möglichkeiten zur Behandlung allergischer Erkrankungen ging.

ECIM: Workshop 2 – ZAEN IV

Atopie in der Neuraltherapie. Der neuroimmunologische Zugang.
Samstag, 4. Dezember 2010 | 15:30 -17:00 Uhr
Einführung: Dr. phil. Barbara Doll
Vortrag: Dr. med. Hans Barop

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Atopie in der Neuraltherapie

Der neuroimmunologische Zugang

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Atopische Erkrankungen mit ihren verschiedenen klinischen Manifestationen betreffen ca 15 Prozent der Bevölkerung mit  zunehmender Inzidenz.

Die immunologischen Vorgänge der Atopie sind bis ins Detail bekannt und führen vornehmlich zu immunologischen Therapieregimen, bestehend aus der Desensibilisierung, antiallergischen und  immunsuppressiven Therapien. Im Falle der erfolgreichen Desensibilisierung kann das Krankheitsbild als beendet angesehen werden. Suppressive Verfahren sind zuverlässig als intermittierende oder andauernde medikamentöse Verfahren ausgerichtet, bleiben jedoch symptomatisch.

Unter dem Aspekt der Zusammenhänge zwischen dem vegetativen Nervensystem und dem Immunsystem (Neuroimmunologie) ergeben sich neue therapeutische Möglichkeiten, die zum Abklingen der allergischen Symptome führen und die Erkrankung damit anhaltend beenden.

Dieser kausal wirksame neuroimmunologische Therapieansatz findet sich in der Neuraltherapie. Zunächst aus klinischer Anwendungsbeobachtung von Ferdinand und Walter Huneke entstanden ab 1925 pragmatische Therapieempfehlungen, die experimentell durch H. Siegen 1951 im experimentellen Anaphylaxiemodell kontrolliert wissenschaftlich gesichert wurden. Hiernach ist unter Ausnutzung der physiologischen Eigenschaften des Sympathikus eine kausale Behandlung allergischer Erkrankungen möglich. Das inzwischen über 80 Jahre bestehende Therapiekonzept wurde nie verändert. Die Erfolgsrate bei allergischen Erkrankungen liegt bei über 80 Prozent.

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Informationen zum 3. Europäischen Kongress für Integrative Medizin (ECIM)

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ECIM-Homepage: www.ecim-congress.org

Download des Hauptprogramms (PDF)

Download mit Information zum Patiententag (PDF)

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Themen: Neuraltherapie.Blog | 1 Kommentar »

Ein Kommentar to “Atopie-Therapie: Neuraltherapie auf dem 3. Europäischen Kongress für Integrative Medizin (ECIM) → Neuroimmunologie”

  1. 2. Europäischer Kongress für Integrative Medizin (ECIM) – 20. bis 21. November 2009 in Berlin | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    7th.Dezember 2010 um 19:41

    [...] Spricht der International Congress on Complementary and Medicine Research (→ ICCMR 2010, Norwegen) fast ausschließlich Forscher an, so baut der ECIM eine Brücke zwischen Medizinforschung und Öffentlichkeit. [...]

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