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Forscher warnen: Quecksilber ist eine mögliche Ursache für Alzheimer-Demenz (→ Amalgam → Zahnfüllungen)

Von Claus Fritzsche | 10.Januar 2011

„Quecksilber könnte eine der verschiedenen Ursachen von Alzheimer-Demenz sein.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine in Fachkreisen viel beachtete systematische Literaturübersicht, die am 15.11.2010 im renommierten Journal of Alzheimer’s Disease publiziert wurde. Forscher der Europa-Universität Viadrina, des Samueli Instituts, der Northeastern University, Boston und (ehemals) der Universitätsklinik Freiburg sichteten systematisch die gesamte (!) experimentelle und klinische Literatur. Joachim Mutter, Annika Curth, Johannes Naumann, Richard Deth und Harald Walach untersuchten speziell das hoch giftige metallische Quecksilber, welches trotz bekannter Risiken noch immer in Zahnfüllungen vorkommt. Amalgamfüllungen enthalten ca. 50 Prozent Quecksilber und Menschen mit solchen Füllungen absorbieren etwa 1 bis 22 Mikrogramm Quecksilber pro Tag. Das meiste davon wird in den Körper und ins Gehirn aufgenommen und verbleibt dort. Die systematische Überblicksarbeit steht in Kontrast zu einer kleinen Studie mit nur 91 Patienten von Melchart et al. aus dem Jahr 2008, die von SPIEGEL ONLINE etwas voreilig mit der Schlagzeile „Amalgam-Studie gibt Entwarnung“ fehlinterpretiert wurde. Von einer Entwarnung kann keine Rede sein. Das neue Review lässt sich eher als finaler Todesstoß für Amalgan in Zahnfüllungen interpretieren.


Eine spektakuläre Übersichtsarbeit

„Unser neuer Review „Quecksilber und Alzheimer“ ist soeben publiziert worden. … ich habe noch nie in meinem Leben soviel Arbeit in einen einzigen Artikel gesteckt. In der gleichen Zeit schreibe ich normalerweise ein bis zwei Bücher…“ Mit diesen Worten machte mich Harald Walach, Professor für Forschungsmethodik, komplementäre Medizin und Heilkunde an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Ende November auf eine spektakuläre systematische Übersichtsarbeit aufmerksam, welche die gesamte (!) experimentelle und klinische Literatur dahingehend untersuchte, ob es einen Zusammenhang zwischen metallischem Quecksilber und Alzheimer-Demenz gibt. Die wissenschaftliche Arbeit hat den Titel „Does Inorganic Mercury Play a Role in Alzheimer’s Disease? A Systematic Review and an Integrated Molecular Mechanism“ und kann dank Open Access frei eingesehen werden.

Alarmierende Daten

Zwei Forscher prüften unabhängig voneinander insgesamt 1.041 relevante Informationen sowie 106 Studien, welche die Suchkriterien erfüllten. 32 von 40 Studien kamen zu dem besorgniserregenden Ergebnis, dass die Exposition mit anorganischem Quecksilber bei Menschen zu erheblichen Gedächtnisdefiziten führen kann. Einige Autopsie-Studien fanden eine deutlich vermehrte Ansammlung von Quecksilber im Gehirngewebe von Alzheimer-Patienten. Richard Deth, einer der Koautoren, stellte ein Modell vor, in dem die Wirkweisen von Quecksilber mit den wichtigsten Zeichen der Alzheimer Erkrankung kausal verknüpft wird. Quecksilber bindet sich danach fest an Selen. Selenhaltige Proteine gehören zu einer Klasse von Molekülen, die der Körper verwendet, um Schaden, der durch Stoffwechselprozesse im Gehirn entsteht (den sog. oxidativen Stress) abzufangen. Dieser führt zu Alterung und schließlich zum Tod von Zellen. Bindet sich Quecksilber an Selen, so werden diese Prozesse – das zeigen In-Vitro-Modelle deutlich – beschleunigt.

Quecksilber: eine hoch giftige Substanz

Quecksilber ist eine der giftigsten natürlich vorkommenden Substanzen. Es ist gefährlich für Menschen und könnte zu neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer-Demenz führen, weil es bei Raumtemperatur verdampft und als Gas aufgenommen wird. So gelangt es über Nase und Blut direkt ins Gehirn. Quecksilber kann die Blut-Hirnschranke ungehindert passieren und wird innerhalb des Gehirns festgehalten. Dort kann es sich über die Lebenszeit hinweg ansammeln. Menschen mit Amalgam-Füllungen nehmen zehnmal soviel Quecksilber auf, als durch regelmäßiges Essen von Fisch aufgenommen wird. Milliarden von Menschen haben solche Amalgamfüllungen. Weil sich Quecksilber im Körper und Gehirn ansammelt, nicht oder nur sehr gering abgebaut wird, erhöht es das Risiko für giftige Folgeschäden signifikant.

Forscher fordern Schutzmaßnahmen

Die experimentelle Forschung an Tieren und Zellmodellen kann alle Zeichen der Alzheimer-Demenz reproduzieren. Studien über niedrig-dosierte Exposition (z. B. bei Zahnärzten) zeigen, dass Quecksilber zu kognitiven Einbußen führt. Allerdings fehlen gute Langzeitstudien. Die Situation ist ähnlich wie jene bezüglich der Schädlichkeit von Rauchen zu Beginn der 70er Jahre. Es gab damals genügend experimentelle Befunde. Klinische Studien am Menschen waren jedoch unklar. Vor diesem Hintergrund warnen die Forscher davor, in Sachen Quecksilber-Risiko zu warten, bis die Beweislage absolut wasserdicht ist. Angesichts dessen, was wir alles über die Giftigkeit von Quecksilber wissen, sollte schon jetzt gehandelt werden. Wer die Bevölkerung zuverlässig vor Alzheimer-Demenz schützen will, der müsse metallisches Quecksilber systematisch und lückenlos aus unseren ökologischen Kreisläufen entfernen, so das Fazit von Joachim Mutter, Annika Curth, Johannes Naumann, Richard Deth und Harald Walach.

Nachtrag vom 14.01.2011:

Joachim Mutter, einer der Autoren der systematischen Übersichtsarbeit zur Wechselbeziehung von Quecksilber und Alzheimer-Demenz, hat in seinem Kommentar vom 12.01.2011 wichtige Anmerkungen und Ergänzungen zur Münchner Amalgam-Studie hinzugefügt.

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Links zum Thema:

Freier Download (PDF): „Does Inorganic Mercury Play a Role in Alzheimer’s Disease? A Systematic Review and an Integrated Molecular Mechanism“

IntraG.info aktuell: „Quecksilber: eine mögliche Ursache für Alzheimer“ von Prof. Dr. Dr. Harald Walach

Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Journal of Alzheimer’s Disease – Volume 22, Number 2, November 2010

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Themen: Claus Fritzsche | 8 Kommentare »

8 Kommentare to “Forscher warnen: Quecksilber ist eine mögliche Ursache für Alzheimer-Demenz (→ Amalgam → Zahnfüllungen)”

  1. Amalgam raus oder mehr Entspannungsübungen? | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    10th.Januar 2011 um 11:41

    [...] WICHTIGER NACHTRAG vom 10.01.2011: Forscher warnen: Quecksilber ist eine mögliche Ursache für Alzheimer-Demenz (→ Amalgam → Zahnfüllungen) [...] Im Journal Club der Forschenden Komplementärmedizin 2008;15 kommentierte Prof. Harald Walach eine Studie von Melchart et al., in der ein möglicher Zusammenhang zwischen unspezifischen Krankheitssymptomen und dem Vorhandensein von Amalgam in den Zähnen untersucht wurde [...]

  2. Joachim Mutter schreibt:
    12th.Januar 2011 um 22:30

    Die Münchner Amalgamstudie von Melchart, Halbach et al. hat schädliche Effekte durch Amalgamfestgestellt. In der Presse wurde Amalgam als sicher dargestellt:
    siehe:
    http://www.spiegelblog.info/wordpress/wp-content/uploads/2009/01/mutter_zur_munchener_amalgamstudie_umg_3_2008.pdf

    und

    http://www.bnz.de/amalgam/original_amalgam.pdf

    Zu Amalgam-Prozess gegen DEGUSSA, aus denen das Geld für die Münchner Studie stammte und dem amalgamkritischen Kieler Amalgamgutachten von Prof. Wassermann et. al., siehe:

    http://www.amalgam-informationen.de/dokument/KAG_Replik2000.pdf

  3. Neuraltherapie.Blog schreibt:
    14th.Januar 2011 um 09:24

    Danke für Ihre hilfreichen Zusatzinformationen, Herr Mutter!

    Die gravierende Fehlinterpretation der Münchner Amalgam-Studie in den Medien ist für mich neu … verwundert mich allerdings nicht.

    Beste Grüße … Claus Fritzsche

  4. Wissenschaftler warnen vor Quecksilber: mögliche Ursache für Alzheimer-Demenz (→ Amalgam → Zahnfüllungen) | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    15th.Januar 2011 um 13:50

    [...] Wissenschaftler warnen vor Quecksilber: mögliche Ursache für Alzheimer-Demenz (→ Amalgam → Zahnfüllungen) | H.Blog: Homöopathie & Forschung … Fortsetzung des Beitrags im Neuraltherapie.Blog … [...]

  5. Bruno schreibt:
    4th.Februar 2011 um 23:34

    Bravo

  6. frauMüller schreibt:
    7th.Februar 2011 um 09:00

    Ich habe vor kurzem gelesen, daß Zahnärzte früher ihr Amalgam selber gemischt haben !! Das heißt, es laufen Menschen rum, die wohl noch mehr als die 50 Prozent Quecksilber in den Plomben haben, und das dann vielleicht noch ohne Unterfüllung!!!

  7. Amalgam schreibt:
    26th.April 2011 um 14:35

    Aus diesem Grund habe ich mein Auto verkauft für 11`000 Fr und mit diesem Geld meine Zähne komplett saniert – ohne Amalgan!

    Gesundheitlich fahre ich jetzt bestimmt besser!

    PS: Das sind Krankheiten, die Amalgan auslösen kann:
    x Morbus Alzheimer
    x Multiple Sklerose
    x Amyotrophe Lateralsklerose
    x Morbus Parkinson
    x Gedächtnisstörungen
    x Schwindel, Depressionen
    x Wutanfälle
    x Schüchternheit
    x Stottern
    x Lernstörungen
    x Legasthenie
    x Seh- und Hörstörungen
    x Tinnitus
    x Gelenkprobleme
    x Rheuma
    x Fibromyalgie
    x Darmprobleme
    x Pilzinfektionen

    Wenn man noch nicht überzeugt ist, dann sollte man hier mal einen Blick reinwerfen:
    http://www.forumgesund.ch/wahrheit-irrtum/auswrikungen-amalgam-t1014.html

  8. Malika12 schreibt:
    23rd.Januar 2013 um 11:14

    So teuer ist eine Amalgamsanierung gar nicht, im Schnitt kostet es etwa 60 Euro pro Plombe, meine Zahnärztin macht es mir sogar umsonst. Die neue Plombe kommt dazu ebenso wie Entgiftunspräparate (zB.gute Chlorella für 30 Euro die 100g-Dose). Es lohnt sich in jedem Fall, die Symptome sind so wenig zuzuordnen, man weiss aber, dass eine Unschädlichjkeit eer unwahrscheinlich ist, wenn man die Faktenlage kennt. In Vitro greift das Nervengift schliesslich fast jede Art von Körperzelle an.
    Ich habe seit einer Plombenentfernung ohne Absaugung der Luft schwere Wortfindungsstörungen (einige Monate danach), ebenfalls chaotisch und fast zusammengebrochen war die Resorption von Nährstoffen über den Darm und damit der geamte Stoffwechsel. Jedem, der sagt, es wäre unschädlich wünsche ich nur einen Tag, wie es mir vor und während der Entgiftung ging. Nicht mehr, denn es ist zu schrecklich. Alle Welt hielt mich aufgrund meiner gestörten Kommunikation für verrückt: wenn das Quecksilber während der Entgiftung ins Blut geht, und einmal nicht ausreichend aufgefangen/gebunden wird, ist das wie wenn ein Vorhang fällt. Es fehlt einem plötzlich jede Fähigkeit zu verbalem und nonverbalem Ausdruck, zur Wahrnehmung des Gegenübers, es unterbindet jede gefühlvolle Kommunikation. Gleichzeitig wid einem ganz übel. Beste Freunde haben mich in dieser Zeit (vorübergehend)verlassen, ich habe einen mehrjährigen Arbeitsausfall und bin psychisch doch trotz allem gesund. Es ist ein Teufelszeug! Lasst es Euch enntfernen, aber sucht einen guten Ausleitungstherapeuten und Unterstützung im Alltag.

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