« | Home | »

Interview mit Dr. med. Hans Barop: Neuraltherapie wird zukünftig an der Charité wissenschaftlich erforscht

Von Claus Fritzsche | 10.Oktober 2009

Dr. med. Hans Barop studierte 1968 in Kiel Medizin, promovierte 1974 und war von 1981 bis 1999 in der Endo-Klinik Hamburg (Chirurgische Spezialklinik für Knochen und Gelenkchirurgie) als Facharzt bzw. zuletzt als Oberarzt tätig. 1985 baute er innerhalb der Endo-Klinik eine neuraltherapeutische Ambulanz auf. Seit zehn Jahren ist Barop in seiner eigenen neuraltherapeutischen Spezialpraxis in Hamburg Blankenese tätig. Barop ist Autor des Buches »Taschenatlas der Neuraltherapie nach Huneke«, einem wichtigen Standardwerk der Neuraltherapie. Im folgenden Kurz-Interview geht es um einen Vortrag auf dem 2. European Congress for Integrative Medicine (ECIM), der am 20. und 21. November 2009 in Berlin stattfindet.




Herr Dr. Barop, Sie sind Referent eines Workshops auf dem 2. Europäischen Kongress für Integrative Medizin in Berlin. Wie lautet Ihr Thema?

Dr. med. Hans Barop:

In meinem Vortrag geht es um die Behandlung gastrointestinaler Erkrankungen. Ich will hier darstellen, wie sich chronische Magen- und Darmerkrankungen unter Berücksichtigung des vegetativen Nervensystems und der therapeutischen Möglichkeiten der Neuraltherapie erfolgreich behandeln lassen.

Ihr Workshop wendet sich an …

Dr. med. Hans Barop:

… Allgemeinmediziner, speziell Ärzte.

Der 2. Europäische und zugleich 2. Deutsche Kongress für Integrative Medizin findet unter der Leitung von Prof. Stefan Willich statt, an dessen Institut auch die erste Professur zur wissenschaftlichen Erforschung der Komplementärmedizin angesiedelt ist. Die Neuraltherapie hat hier allerdings bisher keine Rolle gespielt.

Dr. med. Hans Barop:

Das wird sich schon bald ändern. Prof. Willich hat die Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (IGNH) mit der Bitte kontaktiert, einen qualifizierten Neuraltherapeuten für die komplementärmedizinsche Ambulanz seines Instituts zu finden.

Sie meinen die Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin, kurz CHAMP genannt?

Dr. med. Hans Barop:

Genau, die CHAMP wurde Anfang 2007 vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité als Forschungsambulanz gegründet. Ziel der CHAMP ist es, Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis sowie Schul- und Komplementärmedizin zu bauen. Alle CHAMP-Projekte werden grundsätzlich wissenschaftlich begleitet.

In der CHAMP sind bisher Akupunktur und Homöopathie vertreten …

Dr. med. Hans Barop:

… und nun soll zusätzlich noch die Neuraltherapie wissenschaftlich evaluiert werden.

Mit welcher Intention?

Dr. med. Hans Barop:

Ziel ist es, die Neuraltherapie mit dem Instrumentarium der Versorgungsforschung in der Anwendung wissenschaftlich zu begleiten. Die Neuraltherapie ist ja eine reine Erfahrungsmedizin. Hier soll der sogenannte Outcome bzw. therapeutische Nutzen unter realen Bedingungen in der Praxis wissenschaftlich dokumentiert werden.

Hintergrund ist vermutlich, dass Ihre Arbeit in der Praxis überwiegend auf positiven Fallbeispielen basiert, die bisher jedoch unzureichend wissenschaftlich evaluiert wurden.

Dr. med. Hans Barop:

Ja, es geht auf der einen Seite darum, Fallberichte wissenschaftlich zu überprüfen und die Wertigkeit der Neuraltherapie im Vergleich zu konventionellen therapeutischen Verfahren zu ermitteln. Darüber hinaus soll überprüft werden, ob das Spektrum der mittels Neuraltherapie behandelbaren Krankheitsbilder tatsächlich so groß ist, wie es sich beispielsweise den innerhalb der IGNH organisierten Ärzten darstellt.

Herr Dr. Barop, vielen Dank für dieses kurze Gespräch.

x

(Das Interview führte Claus Fritzsche.)

x

Fachliteratur von Dr. med. Hans Barop:

x

Dr. med. Hans Barop
Taschenatlas der Neuraltherapie nach Huneke
217 Seiten, Hippokrates; Auflage: 2., unveränd. A. (23. August 2006)
Preis: 34,95 Euro – Link zu Amazon …

x

Klappentext:

Kompaktes Wissen mit außergewöhnlicher Darstellung der Methode. – Störfelder erkennen und löschen – mit Hilfe dieses kompakten Taschenatlasses gewinnen Sie mehr Sicherheit in der Injektionstechnik. Die anschaulichen Fotos, bei denen die anatomischen Strukturen auf die Haut gezeichnet wurden, zeigen Ihnen eindeutig die Injektionsstellen. Die zusätzlichen detailgetreuen, farbigen anatomischen Zeichnungen machen dieses Buch zu einer idealen Vorlage für die praktische Anwendung. Die Injektionstechniken sind topographisch aufgebaut und den jeweiligen Indikationen zugeordnet, so dass Sie sich schnell zurechtfinden. – Dieses Buch eignet sich auch für Einsteiger, da neuroanatomische und neurophysiologische Grundlagen leichtverständlich vermittelt werden.

x

Vorwort:

Neuraltherapie nach Huneke ist eine Behandlungsmethode, die das Neurovegetaivum zur Therapie nutzt. Die speziellen Eigenschaften des vegetativen Nervensystems machen es möglich, durch gezielte Reize und gleichzeitig selektive Reizlöschung auf die Gewebeperfusion Einfluss zu nehmen. Die damit einhergehende Normalisierung der Regulation über das Vegetativum führt zur Normalisierung pathologischer Gewebefunktionen.

Die Leistungsbreite dieses therapeutischen Verfahrens liegt in der Behandlung akuter und chronischer entzündlicher, degenerativer und funktioneller Erkrankungen, insbesondere auch von Erkrankungen mit dem Hauptsymptom Schmerz. Eine Besonderheit der Neuraltherapie besteht darin, dass sie eine Integration aller medizinischen Fachrichtungen in Diagnose und Therapie verlangt. Der Begriff der Beherdung ist durch die Neuraltherapie neu definiert und macht damit den Weg frei, über das Neurovegetativum Beherdungserkrankungen erfolgreich kausal zu therapieren. Aus der jahrzehntelangen Erfahrung der angewandeten Neuraltherapie sind etwa 30% aller chronischen Erkrankungen durch Beherdungen (Störfelder) entstanden oder werden durch sie unterhalten. Da der überwiegende Teil des ärztlichen Aufgabenbereiches in der Behandlung chronischer Erkrankungen besteht, erweitert die Neuraltherapie das gängige Behandlungsspektrum erheblich als preiswerte, schnelle und zuverlässige Methode.

Die Matrix (aus Barop, Taschenatlas der Neuraltherapie nach Huneke)

Dieses Buch soll dazu beitragen, den alltäglichen Umgang mit der Neuraltherapie nach Huneke zu erleichtern. Neben einem weitläufigen Indikationskatalog werden alle erforderlichen Injektionstechniken beschrieben und mit Bildern illustriert, so dass eine praxisbezogene Umsetzbarkeit der Behandlungsmethode gut möglich ist. Dieses Buch ist als „Einsteigerbuch“ gut geeignet, da es den Leistungsumfang der Neuraltherapie übersichtlich vermittelt und jeweils auf die neuroanatomische und neurophysiologische Grundlage jeder Injektion verweist. Nicht zuletzt ist dieses Buch als Repetitorium auf dem Ausbildungsweg zum Neuraltherapeuten gedacht.

So finden sich sowohl für die Allgemeinmedizin, die verschiedenen Fachbereiche wie vor allem auch für die moderne Schmerztherapie alle Injektionstechniken und der wesentliche Tel der Indikationen, die den gezielten Umgang mit der Neuraltherapie möglich machen.

x

Home

x

Themen: Claus Fritzsche | 3 Kommentare »

3 Kommentare to “Interview mit Dr. med. Hans Barop: Neuraltherapie wird zukünftig an der Charité wissenschaftlich erforscht”

  1. Interview mit Dr. med. Hans Barop: Neuraltherapie wird zukünftig an der Charité wissenschaftlich erforscht | H.Blog: Homöopathie & Forschung schreibt:
    10th.Oktober 2009 um 12:24

    [...] Hier geht es zum vollständigen Kurz-Interview im neuen Neuraltherapie.Blog … [...]

  2. Wikipedia-Kritik: Neuraltherapie wird sachlich falsch und tendenziös dargestellt | Neuraltherapie.Blog schreibt:
    1st.Februar 2010 um 18:04

    [...] Ausbildung mit der Bezeichnung Naturheilverfahren ist die Neuraltherapie fester Bestandteil. An der Charité Berlin soll in Zukunft eine neuraltherapeutische Ambulanz eröffnet werden, um vor Ort die Methode [...]

  3. Dr.Friedrich Fassnacht schreibt:
    13th.Februar 2011 um 17:39

    Ein Patient bekommt vier Jahre nach der Operation seines Mundboden-Carcinoms vom Universitätsprofessor gesagt, er müsse mit seinen Schmerzen leben. Durch neuraltherapeutische Behandlung erfährt er eine Schmerzlinderung auf der VAS von 10 auf 2. Diesen Patienten interessiert es nicht, ob es für diese Therapie eine prospektive,randomisierte, doppel-blinde Studie gibt.
    Jedoch haben in Deutschland fast nur Aussagen, die von einer Universität kommen, Gewicht.
    Aus diesem Grund ist es Hans Barop zu danken, einen Zugang zu dieser renommierten Institution gefunden zu haben.

Kommentare