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Neuraltherapie: EDI Schweiz bestätigt Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der lokalen und segmentalen Neuraltherapie

Von Imke Plischko | 18.Juli 2011


Eine kleine Meldung mit großer Bedeutung: Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) veröffentlichte im Juni (1) eine Nachricht, über die sich Neuraltherapeuten in der Schweiz aber auch international freuen können: „Die Schmerzbehandlung mittels Injektionen von Lokalanästhetika (sog. lokale und segmentale Neuraltherapie) wurde im Rahmen der Anträge der Komplementärmedizin als unbestrittene, nicht zur Komplementärmedizin zugehörige Leistung beurteilt, deren Kosten zu übernehmen sind“. Dies wird explizit in der ab dem 01.07.2011 gültigen Leistungsverordnung aufgeführt. Damit ist die lokale und segmentale Neuraltherapie ohne zeitliche Limitierung in der Grundversicherung. Die Störfeldtherapie ist ab dem 01.01.2012 für zunächst sechs Jahre provisorisch in der Grundversicherung. Danach erfolgt eine Neubeurteilung der Störfeldbehandlung. Hintergrund dieser Entscheidung ist ein Antrag, der 2010 unter der Leitung von Prof. Lorenz Fischer an das Eidgenössische Bundesamt für Gesundheit übermittelt wurde.

Anwendungen der lokalen und segmentalen Neuraltherapie

Was bedeutet alles dies für Patienten in der Schweiz? Die Neuregelung hat zur Folge, dass z. B. Kopfschmerzen, Neuralgien, Rückenschmerzen, Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Gelenkschmerzen, Durchblutungsstörungen, Menstruationsschmerzen, Sportverletzungen und vieles mehr als Indikationen für die Anwendung der lokalen und segmentalen Neuraltherapie anerkannt sind und die Kosten für eine Neuraltherapie im Rahmen der Leistungsverordnung erstattet werden. In einem 2005 veröffentlichten HTA-Bericht (2) heißt es zur Neuraltherapie:

„Es wird zunehmend anerkannt, dass die Neuraltherapie in vielen Situationen die Methode der Wahl ist, z. B. im Schmerzgeschehen dort, wo der Sympathikus im Sinne eines Circulus vitiosus die Pathologie unterhält. Die Fortschritte in der Neurophysiologie des Schmerzes lassen die Neuraltherapie hier als logische Interventionsmöglichkeit erscheinen. Durch das gezielte Eingreifen in die Pathomechanismen wirkt die Neuraltherapie oft kausal, d. h. regulierend und nicht Symptom-unterdrückend. Bei der Neuraltherapie ist die Nebenwirkungsrate gering, zudem lässt sich die Methode beliebig kombinieren mit jeder anderen Therapie, auch wenn diese medikamentöser Art ist.“

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Informationen zur Störfeldtherapie

Wer sich für die genauen Hintergründe des Neuraltherapie-Wirkmechanismus interessiert, der finden in diesem Blog die Artikel-Serie: Warum Procain? Neuraltherapie und die Funktion des Lokalanästhetikums. Sie wendet sich sowohl an Laien als auch an Ärzte. Um den Unterschied zwischen lokaler/segmentaler Neuraltherapie und der bisher nicht anerkannten Störfeldtherapie geht es im Interview mit Dr. med. Hagen Huneke: Migräne heilen mittels Neuraltherapie.

Auf die Frage, was denn ein Störfeld überhaupt sei, antwortet Dr. med. (I.) Hagen Huneke, jüngster Sohn des als Begründer der Neuraltherapie bekannten Dr. med. Ferdinand Huneke:

„Nein, es geht um einen ganz normalen chronischen Entzündungsvorgang, der anhand etablierter Parameter wie z. B. Blut- und Gewebeeigenschaften nachweisbar ist. Solch eine Körperregion mit einem chronisch entzündlichen Prozess wird in der Neuraltherapie als „Störfeld“ bezeichnet, weil diese Körperregion die Funktionsfähigkeit des vegetativen Nervensystems beeinträchtigt – „stört“. Das ist im Grunde genommen ein ganz profaner Sachverhalt.

Paradox ist, dass dieser simple Mechanismus schulmedizinisch anerkannt ist, wenn er lokal verläuft – jedoch nicht anerkannt wird, wenn es sich um eine räumlich entfernte Wirkung handelt. Dabei gibt es bereits solide Studien dahingehend, dass beispielsweise Zahnerkrankungen Folgeerscheinungen im gesamten Skelettsystem auslösen können.“

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Neue Aus- und Weiterbildungsziele

Gemäß einer Meldung vom 29.06.2011 wurde nun auch eine Revision des Medizinalberufegesetzes (MedBG) der Schweiz angestoßen, um die Komplementärmedizin in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten angemessen zu berücksichtigen. Die Bundesverwaltung der Schweizerischen Eidgenossenschaft schreibt hierzu (3):

„Mit der Annahme der Initiative „Ja zur Komplementärmedizin“ sieht die Verfassung vor, dass Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin sorgen. Im MedBG sollen daher die Aus- und Weiterbildungsziele entsprechend angepasst werden.“

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(1) Eidgenössisches Department des Inneren: „Änderungen bei medizinischen Leistungen, Analysen und Mitteln und Gegenständen beschlossen“, 21.06.2011

(2) Fischer L., Barop H., Maxion-Bergemann S.: Zusammenfassung Health Technology Assessment Neuraltherapie (Kurzfassung), 2005, Seite 2

(3) Eidgenössisches Department des Inneren: „Revision des Medizinalberufegesetzes Bundesrat eröffnet Vernehmlassung“, 29.06.2011

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