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Was ist Neuraltherapie? So verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick.

Von Claus Fritzsche | 19.November 2011

Was genau ist Neuraltherapie? Wie wirkt die Neuraltherapie? Wie verläuft eine neuraltherapeutische Behandlung? Bei welchen Krankheiten kommt die Neuraltherapie zum Einsatz? Fragen dieser Art beantworten drei Patienteninformationen, die ich Ihnen hier vorstellen will. So viel vorweg: Das Ziel der Neuraltherapie ist es, den menschlichen Körper durch Injektion eines lokalen Betäubungsmittels zur Selbstheilung anzuregen. Ob kleine Schnittverletzung, Kopfschmerzen, grippaler Infekt oder die Entsorgung entarteter Zellen, der menschliche Körper verfügt über erstaunliche Möglichkeiten, sich selbst zu heilen. Ärzte nennen diese Fähigkeit Regulation. Bei vielen akuten und chronischen Erkrankungen ist die Selbstregulation unseres Körpers jedoch überfordert. Die Neuraltherapie ist hier eine teils sehr effektive therapeutische Option und mitunter eine Alternative zur langjährigen Einnahme von Medikamenten. Neuere Forschungsarbeiten belegen dies und sind der Grund, warum beispielsweise die Schweizer Grundversicherung eine Schmerzbehandlung mittels Injektionen von Lokalanästhetika seit 2011 als wirksam, zweckmäßig und wirtschaftlich einstuft.


Wer sich als Laie über die Möglichkeiten und Grenzen der Neuraltherapie informieren will, der wird speziell im Internet mit vielen oberflächlichen – teilweise auch falschen – Informationen konfrontiert (siehe: Wikipedia-Kritik Neuraltherapie). Einen schnellen und fachlich fundierten Einstieg in dieses Thema ermöglichen Informationsflyer von Ärzteverbänden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nachfolgend einige Auszüge:
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Was ist Neuraltherapie?

Neuraltherapie ist die Behandlung von chronischen oder akuten Erkrankungen mit einem Lokalanästhetikum, meist Procain. Diese Therapieform nutzt die körpereigene Steuerungs- und Ausgleichsfunktion des vegetativen Nervensystems. Durch Injektion von Lokalanästhetika wird die natürliche Selbstheilung wirksam unterstützt und teilweise überhaupt erst ermöglicht.

Quelle: Patienten-Flyer der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie (IGNH) e.V.
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Download IGNH-Patienten-Flyer (PDF)Homepage der IGNHx
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Was bewirkt die Neuraltherapie?

Als modernes Regulationsverfahren beeinflusst die Neuraltherapie alle Regelkreise des Organismus: nerval, hormonell, muskulär, zirkulatorisch und lymphatisch ebenso wie Skelett, Verdauungs- und Ausscheidungsorgane. Damit sind die Einsatzmöglichkeiten breit gefächert. Neuraltherapie ist weit mehr als nur Betäubung – durch die entspannende, entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und Blockierungen aufhebende Wirkung setzt sie nachhaltige Heilungsprozesse in Gang und zwar nicht nur bei akuten Beschwerden, sondern gerade auch bei chronischen Krankheitsbildern. Somit eignen sich die Neuraltherapie und ihre Behandlungsmethoden für viele Formen von Schmerzzuständen, Allergien und Erkrankungen innerer Organe.

Quelle: Patienten-Flyer der Internationalen medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie (IGNH) e.V.
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Wann wird Neuraltherapie eingesetzt?

Bei einer akuten Erkrankung ist der auslösende „Reiz“, z.B. eine Infektion oder eine Verletzung, also der Grund für die Krankheit, meist gut erkennbar und wird in der Schulmedizin korrektiv (z.B. durch eine Operation) oder symptomatisch (z.B. mit Antibiotika, Schmerzmitteln) behandelt.

Bei chronischen und insbesondere bei über Jahren anhaltenden Erkrankungen wie chronischen Kopfschmerzen, Gelenkerkrankungen, chronischen Nacken-Schulterverspannungen und Rückenschmerzen, Hautleiden, Asthma, chronischen Magen-Darmbeschwerden etc. ist der auslösende Reiz bzw. die Ursache dagegen oft nicht mehr herauszufinden.

Hier liegt die Stärke der Neuraltherapie. Die Neuraltherapie kann neben akuten bei ca. 80% aller chronischen Erkrankungen angewendet werden, nicht aber bei gestörter Regulation (z.B. Tumoren) , zerstörter Struktur (wie bei Leberzirrhose) oder bei Mangelzuständen wie z.B. Eisen- oder Vitaminmangel.

Die Neuraltherapie kann mit jedem schulmedizinischen Verfahren kombiniert werden. Sie stellt eine effektive und risikoarme und ganzheitliche Therapiemethode dar.
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Quelle: Patienten-Flyer der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (SANTH)
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Download SANTH-Patienten-Flyer (PDF)Homepage der SANTHx
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Siehe auch:
Indikationen gemäß Handbuch Neuraltherapie
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Wie verläuft eine neuraltherapeutische Behandlung?

Nach dem Erstellen einer neuraltherapeutischen Krankengeschichte wird Sie Ihr Arzt ausführlich untersuchen. Die wichtigste Untersuchungstechnik ist das Abtasten Ihres Körpers mit den Händen (Palpation). Hier stellt der Therapeut Veränderungen des Zustandes von Haut, Unterhaut und Muskulatur fest, und kann dadurch Regulationsstörungen erfassen, die wegweisend für die Therapie sind. Zur weiteren Abklärung können auch zusätzliche Untersuchungen wie beispielsweise Röntgenbefunde, Laborbefunde und andere klinische Befunde veranlasst werden.

Zur Behandlung selbst werden Injektionsspritzen mit feinen Nadeln verwendet. Der Behandlungsschmerz ist meist gering und überzeugt auch ängstliche Patienten von der Harmlosigkeit der Injektion.

Nach der Behandlung sollten Sie eine kurze Ruhepause einplanen. Als Reaktion auf die Neuraltherapiesitzung kann ein kurzzeitiges Schwindelgefühl auftreten. Die Reaktionsfähigkeit kann nach der Behandlung für ein bis zwei Stunden beeinträchtigt werden …

Manchmal führt schon eine einzige Behandlung zu dauerhafter Beschwerdefreiheit (Sekundenphänomen nach Huneke). Meist werden aber mehrere Behandlungen für einen anhaltenden Behandlungserfolg erforderlich sein. Wenn Sie an chronischen Beschwerden leiden oder von mehreren Erkrankungen betroffen sind, wird sich die Therapie zuerst auf die derzeit am stärksten belastenden Beschwerden konzentrieren.

Quelle: Patienten-Flyer der Österreichischen Medizinischen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsforschung (ÖNR)

Download ÖNR-Patienten-Flyer (PDF)Homepage der ÖNR
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Was ist Procain?

Procain ist ein Lokalanästhetikum, ähnlich wie dies täglich beim Zahnarzt angewendet wird. Procain hat verschiedene Vorteile gegenüber den üblich angewendeten Lokalanästhetika: Es hat keine Zusatzstoffe, welche Nebenwirkungen auslösen können, es fördert die Durchblutung an der erkrankten Körperstelle und wird im Körper innert 20 Minuten abgebaut. Es kann auch im Falle einer Schwangerschaft und bei Kindern angewendet werden.
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Quelle: Patienten-Flyer der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (SANTH)
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Siehe auch:
Warum Procain? Neuraltherapie und die Funktion des Lokalanästhetikums
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Erfahrungen mit der Neuraltherapie:

Lesen Sie hierzu das Interview mit Prof. Dr. Jürgen Giebel von der Universität Greifswald
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Themen: Neuraltherapie.Blog | 1 Kommentar »

Ein Kommentar to “Was ist Neuraltherapie? So verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick.”

  1. Neuraltherapie bei Heuschnupfen (Rhinitis Allergica, Pollinose). Eine effektive therapeutische Option. | Neuraltherapie.Blog schreibt:
    17th.März 2012 um 12:00

    [...] chinesische Medizin (TCM). Behandle ich diese Heuschnupfen-Experten dann erstmals mittels Neuraltherapie, so zeigen sich immer wieder verblüffende Erfolge. Die Injektion eines lokalen Betäubungsmittels [...]

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