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Vom mündigen zum kompetenten Patienten: Eigensinn und Eigeninitiative fördern

Von Imke Plischko | 10.Januar 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie kann ein Konzept von Patientenkompetenz aussehen, welches die Vorlieben und Wünsche der Patienten stärker berücksichtigt?

Und wie lassen sich medizinische Informationen und Entscheidungshilfen so aufbereiten, dass sie einerseits evidenzbasierte Information liefern, dabei jedoch gleichzeitig der Forderung von Patienten nach komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden und Selbsthilfe gerecht werden?

Die Teilnehmer einer gemeinsamen Expertentagung des Instituts für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) (1) und der Karl und Veronica Carstens-Stiftung (2) diskutierten vom 13. bis 14. November 2009 genau diese Fragen und kamen zu einem interessanten Fazit: Eigensinn und Eigeninitiative der Patienten sollten stärker gefördert werden.

Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Bettina Berger, Initiatorin und Leiterin der Tagung, fasste die Ergebnisse der Veranstaltung wie folgend zusammen:

„Einigen konnten sich die Vertreter so verschiedener Perspektiven auf eine Vorstellung von Patientenkompetenz, die man mit dem Begriff Eigensinn beschreiben kann: Eigensinn,

Vom mündigen zum kompetenten Patienten:
„Eine neue Patientengeneration verlangt nach neuen Formen der Kooperation von Ärzten, Apothekern und Patienten“, schrieb schon 2001 Prof. Dr. med. Gerd Nagel im Deutschen Ärzteblatt. Der Leiter der Stiftung Patientenkompetenz Schweiz (4) erläuterte damals:

„Der Begriff „kompetenter Patient“ geht über den des „mündigen Patienten“ hinaus. Letzterer will informiert werden, um medizinisches Handeln verstehen, mitentscheiden oder besser hinter dem Therapieplan stehen zu können. Der kompetente Patient geht einen Schritt weiter: Er will medizinisches Handeln durch aktives Mitwirken in eigener Sache ergänzen.“
Quelle: Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-520 / B-419 / C-396

Prof. Nagel reklamiert, dass sich der klassische Schulmediziner vor allem für die Krankheit im Menschen und weniger für den Menschen in der Krankheit interessiert. Der mit diesem Phänomen verbundene Vertrauensverlust führt nach seiner Einschätzung dazu, dass Ärzte „als Berater ungeeignet erscheinen.“ Krankheits-Technokratie ist wahrscheinlich auch einer von mehreren wichtigen Gründen, warum sich ein Großteil der Bevölkerung zu komplementärmedizinischen Therapieverfahren hingezogen fühlt.

In einer Pressemitteilung zur Expertentagung (5) heißt es:
„Patienten wollen Antworten auf die Frage, was sie selber tun können, damit sie ihr Leiden nicht nur ertragen, sondern es beeinflussen oder sogar überwinden können. Das Recht von Patienten, Selbstregulations- oder Heilungskompetenzen in Anspruch zu nehmen und einzufordern, sei für Ärzte und Therapeuten bislang jedoch noch ein Tabuthema, so lautet ein Ergebnis der Tagung …

Damit Patienten im Sinne dieser Kompetenzen handlungsfähig werden, benötigten sie entsprechende Informationen über ihre Erkrankung, über Nutzen, fehlenden Nutzen und Schaden von Behandlungsmethoden und über mögliche Alternativen. Für eine sichere, informierte Entscheidung mit oder ohne Arzt für oder gegen eine Therapie, sind evidenzbasierte Patienteninformationen wichtig.“

Evidenzbasierte Patienteninformationen
Komplementärmedizin und Evidenzbasierte Medizin (EbM) werden oftmals noch als Gegensätze angesehen. Die moderne CAM-Forschung (6) zeigt allerdings, dass sie sich gegenseitig bedingen. Damit kompetente Patienten umfassender als bisher auf zuverlässige Forschungsdaten zu komplementärmedizinischen Therapieverfahren zurückgreifen können, trifft sich das WHO IS WHO der CAM-Forschung im Mai zum inzwischen schon 5. internationalen Kongress ICCMR 2010 in Tromsø, Norwegen.

Ein erfolgreiches und gesundes (!) Jahr 2010 wünscht Ihnen

Ihre Imke Plischko

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Links:
(1) Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG)
(2) Karl und Veronica Carstens-Stiftung
(3) Newsletter Dezember 2009 des IntraG
(4) Stiftung Patientenkompetenz Schweiz
(5) Pressemeldung zur Expertentagung: Kompetente Patienten?
(6) Prof. Dr. med. Claudia M. Witt: Komplementärmedizin: Weitere Forschung ist die Basis für Integration in die Versorgung

Nachtrag vom 08.11.2010:

NEU im DZVhÄ Homöopathie.Blog: Wie chronisch Kranke zu kompetenten Managern ihrer Erkrankung werden: Interview mit Dr. phil. Bettina Berger. (→ Patientenkompetenz, Patientenschulung)

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